Trump als Privatmann: Schwindende Vermögenswerte, beachtliche Schulden, offene Steuerfragen, Gerichtsverfahren

Quelle: Neue Züricher Zeitung, NZZ

Christof Leisinger, New York 28.01.2021,

Donald Trump hat sich ins Rentnerparadies Florida zurückgezogen. Er dürfte das Leben in der Traumdestination aber kaum geniessen können – zu unklar ist, wie es mit seinem Immobilienimperium weitergeht.

Florida gilt als Paradies für Rentner. Ob auch Donald Trump die sonnige Traumdestination nach dem bizarren Ende seiner Präsidentschaft geniessen kann, ist fraglich. Denn erstens hat er seine «Rückkehr in die politische Arena in irgendeiner Form» angekündigt. So etwas ist wohl nicht ohne beachtlichen Aufwand möglich. Zweitens wenden sich seit seiner fragwürdigen Rolle im Sturm des Mobs auf das Capitol immer mehr Privatpersonen und Unternehmen von ihm ab.

So hat die Stadt New York City angekündigt, alle Verträge mit den Trumps zu kündigen. Mieter von Appartementhäusern wollen aus Angst vor dem negativen Image den Namen Trump von der Fassade verbannen, und verschiedene gemeinnützige Gesellschaften haben kundgetan, ihre Büros in Gebäuden des Familienimperiums «Trump Organization» möglichst bald räumen zu wollen.

Wie willkommen der Clan in Florida ist, wird sich zeigen. Offensichtlich ist aufgrund einer früheren Vereinbarung Trumps mit Palm Beach nicht einmal sicher, ob er Mar-a-Lago, sein herrschaftliches Anwesen, offiziell als Dauerwohnsitz nutzen darf. Selbst Internetkonzerne, Banken, Verlage, Autohersteller, E-Commerce-Unternehmen, Golfturnier-Veranstalter und andere sind inzwischen aus Angst vor möglichen Rufschäden auf Distanz gegangen – wenn auch spät.

Ermittlungsverfahren am Laufen

Im Gegensatz zu anderen Florida-Rentnern kann sich Trump also mit seinem Vermögen im sonnigen Ambiente nicht einfach nur zurücklehnen. Er und seine Entourage müssen erst einmal herausfinden, wie gross es überhaupt noch ist und was sonst noch so auf sie zukommt. Immerhin laufen schon eine Weile verschiedene Ermittlungsverfahren auf Bundesebene oder in den einzelnen Gliedstaaten, in denen Trump selbst, eine seiner Firmen oder sein Umfeld eine Rolle spielen. Dabei geht es unter anderem um den Missbrauch von Spendengeldern, um Steuervergehen oder gar um Betrug. Das jüngste Telefonat mit Wahlverantwortlichen im Gliedstaat Georgia über das erwünschte «Auffinden entscheidender Stimmen» könnte sogar als Anstiftung zum Wahlbetrug ausgelegt werden. Privatrechtlich stehen Vergewaltigungsvorwürfe, Erbgeschichten oder gar die angebliche Werbung für ein geplatztes «Investmentsystem» im Raum.

So ist offenbar nicht nur jede Menge Ärger vorprogrammiert, sondern geschäftlich kann es in nächster Zeit sogar an die Substanz gehen. Immerhin besteht das Vermögen der Trump-Organisation von geschätzten 2,5 Mrd. $ vor allem aus Immobilien, die wiederum mit enormen Krediten erworben wurden. Dem Vernehmen nach hat die Trump-Organisation Schulden von über 1 Mrd. $, und ein grosser Teil davon wird gemäss Medienberichten in absehbarer Zeit fällig. Viele der Immobilien dagegen, Golfanlagen in Schottland etwa, haben in der Vergangenheit praktisch keine Erträge abgeworfen, während die Ertragsperlen die Folgen der Corona-Krise und neuerdings auch die der beschädigten «Marke Trump» spüren.

Umsätze eingebrochen

Das beweisen Dokumente, welche die Ethikbehörde der amerikanischen Regierung in den vergangenen Tagen veröffentlicht hat. Wie sie zeigen, sind die Umsätze des Firmen- und Immobilien-Imperiums der Trumps 2020 im Vergleich mit dem Vorjahr um 38% auf 278 Mio. $ gefallen. Der Golfklub Doral bei Miami etwa musste Erlöseinbussen von über 40% auf 44,2 Mio. $ hinnehmen, beim Golfklub in Schottland und im Trump International Hotel in der Nähe des Weissen Hauses in Washington sind die Geschäfte sogar noch stärker eingebrochen. Eine Ausnahme war das Mar-a-Lago-Resort in Florida, wo der Umsatz um 13% gestiegen ist.

Der Ausblick auf den weiteren Verlauf der gewerblichen Aktivitäten ist diffus, schliesslich war die Geschäftigkeit in den verschiedenen Immobilien in den vergangenen vier Jahren aufgrund der Präsidentschaft Trumps aussergewöhnlich. Es gibt sogar verschiedenste Vorwürfe, die Trumps hätten sich ungerechtfertigterweise bereichert, indem sie Lobbyisten und Staatsgäste zu überzogenen Konditionen in den eigenen Gebäuden untergebracht und dort zudem offizielle Veranstaltungen zum Nachteil der Staatskasse organisiert hätten. Offensichtlich sind in den vergangenen vier Jahren Hunderte von Unternehmen, Interessengruppen oder ausländische Regierungen auf solche Offerten eingegangen, um Zugang zur Regierung zu finden. Kein Wunder, dass gemeinnützige Organisationen wie etwa die Citizens for Responsibility and Ethics in Washington den Ex-Präsidenten sogar offen der Korruption bezichtigen – also ausgerechnet den Mann, der seinen Wählern versprochen hatte, den «Regierungssumpf» auszutrocknen.

Wie auch immer – solche Manöver mögen den Umsatz in den verschiedenen Lokalitäten vorübergehend angekurbelt haben. Aber der Versuch, die selbst geschaffene Gunst der Stunde zu nutzen und den langfristigen Kontrakt für das Trump International in der amerikanischen Hauptstadt zu verkaufen, ist an hohen Preiserwartungen gescheitert. Die von den Söhnen Eric und Don geführte Trump-Organisation war noch im Herbst 2019 davon ausgegangen, 500 Mio. $ dafür zu bekommen. Tatsächlich aber sollen manche Interessenten nicht einmal die Hälfte davon geboten haben.

Die Zahlungsbereitschaft dürfte aufgrund der Pandemie und wegen des unrühmlichen Endes der Präsidentschaft nicht gerade zugenommen haben. Fachleute rechnen mit einem fairen Wert von 150 bis 175 Mio. $. Das wäre weniger als die 200 Mio. $, die die Trumps für die opulente Renovierung des Gebäudes ausgegeben haben, wofür sie wiederum einen Kredit von der Deutschen Bank über 100 Mio. $ aufgenommen hatten.

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