Datum/Zeit
Date(s) - 17/03/2026
19:00 - 21:00
Veranstaltungsort
Albert-Knapp-Saal
Kategorien
In Zeiten zunehmender Polarisierung und verhärteter gesellschaftlicher Konflikte bleiben Menschen mit unterschiedlichen Meinungen immer seltener im Gespräch. Wie kann unter diesen Bedingungen ein demokratischer Austausch gelingen? Das Bündnis für Demokratie und Menschenrechte lädt dazu ein, das am Dienstag, 17. März ab 19.00 Uhr im Albert-Knapp-Saal (Widerholtplatz 5) zu erproben.
Unter fachkundiger Anleitung von Moderatoren könnten Interessierte das Dialogformat „Sprechen & Zuhören“ kennenlernen, das von Mehr Demokratie e.V. entwickelt wurde. Seit Anfang 2024 haben in über 45 kommunalen Dialogveranstaltungen in mehr als 25 verschiedenen Gemeinden und Städten mehr als 1100 Menschen an „Sprechen & Zuhören“ teilgenommen. Bei den Veranstaltungen wurden verschiedene, teils sehr kontroverse Themen behandelt wie die Corona-Politik, Rechtspopulismus, Migrationspolitik und der KonfIikt Israel–Palästina. Aber auch vermeintlich weniger emotional aufgeladene Themen wie „Demokratie und Lokalpolitik“ waren Gegenstand.
Die Intention von „Sprechen&Zuhören“ ist, eine demokratische Verständigung zu ermöglichen. „Sprechen & Zuhören“ selbst gibt dabei eine Struktur vor, die allen die gleiche Redezeit ermöglicht, persönliches Mit-Teilen und aktives Zuhören fördert. Dies ist durchaus anspruchsvoll, denn die Teilnehmenden sind angehalten, von ihren eigenen Erfahrungen und persönlichen Empfindungen in Bezug auf ein politisches Thema zu sprechen. Das kann insbesondere für Menschen, die sich normalerweise wenig oder nicht am öffentlichen Leben beteiligen, ungewohnt und auch herausfordernd sein. Die Moderation hat dabei die Aufgabe, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und allen Teilnehmenden mit einer Haltung offener und einladender Präsenz zu begegnen.
In den bisherigen Veranstaltungen ist es gelungen, dass sich Menschen trotz stark polarisierter Meinungen auf der menschlichen Ebene begegnet sind. „Ich sehe dich als Mensch, selbst wenn ich deine Position nicht teile!“: diese Aussage ist nicht nur ein Ergebnis von „Sprechen & Zuhören“, sondern sie bringt eine demokratische Haltung zum Ausdruck: Ich muss die Meinung des anderen nicht teilen, um mit ihm in Kontakt zu treten und das Menschliche in ihm wertzuschätzen. An dieser Haltung orientieren sich das Dialogformat.
Diese demokratische Haltung lässt sich in drei Qualitäten zusammenfassen: zugewandt bleiben, gelassen sein und alle Beiträge wertschätzen. Die Moderatoren begegnen den Menschen mit der Grundannahme, dass ihre heutigen Überzeugungen in ihrer Biografie begründet sind. Alle haben ein Gewordensein, das dazu führt, dass sie so denken, wie sie denken. Diese Akzeptanz ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Zustimmung zu allen Aussagen, sondern eine Anerkennung des Menschen hinter der Meinung. Sie versuchen nicht, eine Meinung oder Einstellung zu verändern, sondern lassen sich uns auf die Menschen, den Prozess der Begegnung und das Gespräch ein.
„Sprechen&Zuhören“ ist auch eine Selbsterfahrung, in der die Teilnehmenden etwas darüber lernen können, wie Begegnung gelingt oder scheitert. Eine klare Grenze in den Gesprächen ist, dass ehrverletzende, beleidigende, volksverhetzende oder rassistische Kommentare nicht geduldet werden. Die Struktur des Formats, die auf persönliche Erfahrungen statt auf abstrakten politischen Diskurs zielt, macht das Einbringen reiner ideologischer Parolen aber erfahrungsgemäß sehr schwierig. „Sprechen & Zuhören“ bietet nicht die Patentlösung für alle gesellschaftlichen Spannungen an. Es ist ein wichtiger Baustein für eine demokratische Kultur, die auf aktivem Zuhören, Respekt und der Fähigkeit zur menschlichen Verbindung trotz Differenzen basiert. In Zeiten des zunehmenden Aufenthalts in Echo-Kammern und Filterblasen, in denen Menschen sich voneinander abgrenzen und entfernen, kultiviert das Format eine Praxis der Zuwendung.


