Vaterland: Thomas Mann besucht nach 16 Jahren Exil in der Schweiz und den USA im Jahr 1949 Deutschland

Datum/Zeit
Date(s) - 03/10/2026
20:00 - 21:45

Veranstaltungsort
Kommunales Kino Kirchheim

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Thomas Mann und die Demokratie: vom Verächter zum Verteidiger

Der Film „Vaterland“, den das Kommunale Kino Kirchheim am Samstag, 3. Oktober um 20.00 Uhr in Kooperation mit dem Bündnis für Demokratie und Menschenrechte zeigt, handelt von Thomas Manns Reise aus dem amerikanischen Exil im Sommer 1949 in beide Teile Deutschlands.

Der Deutschlandbesuch führt das Mann und seine Frau Katja nach längerem Aufenthalt in der Schweiz nach Frankfurt, wo ihm der Goethepreis verliehen werden soll. Von dort reist das Paar über München, Nürnberg und Bayreuth in die sowjetische Besatzungszone, nach Weimar. Dort hält Mann im Weimarer Nationaltheater – zum 200. Geburtstag von Goethe – seine „Ansprache zum Goethejahr“, die er bereits in Frankfurt in der Paulskirche vorgetragen hatte.

Mann will das zerrissene Land vor Ort in Augenschein nehmen. In Frankfurt hatte er schon bekannt: „Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst. Deutschland als Ganzem und keinem Besatzungsgebiet.“ Seine Haltung zu Deutschland und den Deutschen schwankt in diesen ersten Nach­kriegs­jah­ren zwischen härtester Bestrafung einerseits und Mitleid anderseits.

In seinen Rundfunkreden für die BBC hat er von der „nationalen Gesamtschuld“ der Deutschen gesprochen, und keinen Zweifel daran gelassen, dass für ihn „alles, was deutsch heißt, darin eingeschlossen“ sei. Dennoch will er jetzt die Möglichkeit eines politischen und geistigen Neuanfangs unterstützen.

Thomas Mann war der einzige deutsche Emigrant, der während der gesamten Dauer des Zweiten Weltkriegs unzensiert und direkt zu den Deutschen sprechen durfte. Fünf Jahre lang beauftragte ihn die BBC, freie Botschaften aus Los Angeles an das deutsche Volk zu senden.

In diesen 59 Ansprachen zieht Thomas alle Register in seiner Verteidigung von Freiheit, Frieden und Demokratie. Beim Nachdenken darüber, wie es so weit kommen konnte, spricht er auch die deutsche Geistes- und Literaturgeschichte an. Der Nationalsozialismus habe „lange Wurzeln im deutschen Leben“, sagt er und meint damit den deutschen Sonderweg der Romantik, deren Entartungsformen „den Keim mörderischer Verderbnis immer in sich trugen“.

Dass er selbst in der Geburtsstunde der Weimarer Republik – und bereits davor – daran mitgewirkt hatte, diesen „Keim der Verderbnis“ im deutschen Bürgertum wachsen zu lassen, erwähnt er nicht. In seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“, die Ende 1918 erschienen waren, schrieb er u.a.: „Ich bekenne mich tief überzeugt, daß das deutsche Volk die politische Demokratie niemals wird lieben können, aus dem einfachen Grunde, weil es die Politik selbst nicht lieben kann, und daß der vielverschriene ›Obrigkeitsstaat‹ die dem deutschen Volke angemessene, zukömmliche und von ihm im Grunde gewollte Staatsform ist und bleibt.“  Mann änderte seine Haltung zur Weimarer Republik allerdings fundamental nach der Ermordung des liberalen Politikers und Reichsaußenministers Walter Rathenau am 24. Juni 1922.