Täglich werden Menschen weltweit festgenommen, bedroht, gefoltert, getötet. Weil sie ihre Meinung sagen, sich für die Menschenrechte in ihrem Land einsetzen oder mit friedlichen Mitteln ihre Regierung kritisieren. Gewaltlose politische Gefangene verschwinden oft für Jahre hinter Gittern – ohne faires Gerichtsverfahren und unter unterschiedlich schwierigen Haftbedingungen. Die Gefahr, dass sie vergessen werden, ist groß. Darum brauchen sie unseren Schutz, unsere Solidarität, unseren Einsatz!
Aus diesem Grund hat Amnesty International die Aktion „Briefe gegen das Vergessen“ gestartet. Sie geben den Gefangenen Hoffnung und zeigen den Verantwortlichen, dass die Gefangenen nicht in Vergessenheit geraten sind. Die „Briefe gegen das Vergessen“ wirken durch ihre enorme Anzahl.
Wir brauchen Ihre Unterstützung. Beteiligen Sie sich an den Briefen gegen das Vergessen.
Oberste Justizautorität
Gholamhossein Mohseni Ejei
c/o Embassy of Iran to the European Union
Avenue Franklin Roosevelt
No. 15
1050 Bruxelles/BELGIEN
Im Oktober 2026
Sehr geehrter Herr Ejei,
aufgrund von Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wende ich mich heute an Sie.
Es handelt es sich um Zeynab Jalalian.
Sie gehört der kurdischen Minderheit im Iran an und verbüßt eine lebenslange Gefängnisstrafe. Sie wurde im März 2008 wegen ihres Einsatzes für die kurdische Selbstverwaltung und ihrer Aktivitäten beim politischen Flügel der oppositionellen Gruppe Partiya Jiyana Azad a Kurdistanê (PJAK) festgenommen. Zeynab Jalalian wurde acht Monate lang in Einzelhaft gehalten und hatte keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Ihren Angaben zufolge wurde sie in dieser Zeit von Angehörigen des Geheimdienstes gefoltert und anderweitig misshandelt.
Die Folter und Misshandlungen halten an. Trotz massiver gesundheitlicher Probleme verweigern ihr die Behörden den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung. Als weiteres Druckmittel streichen ihr die Behörden die Familienbesuche. Zeynab Jalalian wurde 2020 in das Zentralgefängnis von Yazd verlegt – 1.400 Kilometer von ihrem Heimatort Maku entfernt. In den folgenden vier Jahren konnten sie ihre Angehörigen nur ein einziges Mal besuchen.
Anlässlich des vierten Jahrestages der Tötung von Jina Mahsa Amini am 16. September hat Zeynab Jalalian angekündigt, in einen Hungerstreik zu treten.
Bitte sorgen Sie dafür, dass Zeynab Jalalian umgehend die erforderliche fachärztliche Behandlung erhält. Ich bitte Sie höflich, die Forderung der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen umzusetzen. Bitte lassen Sie Zeynab Jalalian umgehend frei und gewähren Sie ihr ein einklagbares Recht auf Entschädigung. Ich rufe Sie außerdem dazu auf, eine unabhängige und unparteiische Untersuchung der Folter- und Misshandlungsvorwürfe einzuleiten und die dafür Verantwortlichen in einem fairen Verfahren vor Gericht zu stellen.
Hochachtungsvoll
Director Pan Jiqiang
Sanhe Public Security Bureau in Langfang City ,Hebei Province, No.3,
Dingsheng West Street
Sanhe City, Langfang,
Hebei Province, 065200
VOLKSREPUBLIK CHINA
Im Oktober 2026
Sehr geehrter Herr Direktor Pan,
aufgrund von Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wende ich mich heute an Sie.
In diesem Fall handelt es sich um Gao Zhen (高兟)
Am 25. August 2026 wurde der Künstler wegen „Beleidigung von Chinas Helden und Märtyrern“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Die bereits im Gefängnis verbrachte Zeit soll zwar angerechnet werden, doch der bekannte Künstler hätte gar nicht erst vor Gericht gestellt werden dürfen. Vor zwei Jahren wurde Gao Zhen festgenommen. Etwa 30 Polizist*innen stürmten sein Atelier, beschlagnahmten mehrere Kunstwerke und versiegelten das Atelier. Seitdem befindet er sich in der Haftanstalt von Sanhe.
Die Ehefrau von Gao Zhen und ihr sechsjähriger Sohn, der die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, wurden an der Ausreise aus China gehindert, als sie versuchten, von Peking nach New York zu reisen. Außerdem untersagte die Polizei seiner Frau, mit den Medien über die Inhaftierung ihres Mannes zu sprechen.
Bitte veranlassen Sie, dass Gao Zhen umgehend und bedingungslos freigelassen wird. Sorgen Sie dafür, dass Gao Zhen bis zu seiner Freilassung regelmäßigen und uneingeschränkten Zugang zu seiner Familie erhält und weder gefoltert noch anderweitig misshandelt wird. Stellen Sie die Schikanen und Drohungen gegen seine Familie ein und gewährleisten Sie, dass die Familie frei nach China ein- und ausreisen kann. Chinesische Künstler*innen müssen ihre Meinung ohne Angst vor Verfolgung oder willkürlicher Inhaftierung äußern können.
Hochachtungsvoll

