Kritischer Blick auf den Umbau des Programms „Demokratie leben“ – Handlungsmöglichkeiten

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) baut das Programm „Demokratie leben“ um – und streicht etlichen Projekten die Mittel. „Das Verhältnis von Mitteleinsatz und Ergebnis stimmt nicht“, sagte Prien der Zeitung Welt. Trotz engagierten Einsatzes würden die Programmziele nicht oder nicht nachhaltig erreicht. Laut Welt sollen bis Jahresende mehr als 200 Demokratieprojekte auslaufen. „Wir stellen das Programm grundsätzlich neu auf“, erklärte Prien.

Schon nach ihrem Amtsantritt hatte Prien eine Neuaufstellung von „Demokratie leben“ und eine neue Förderrichtlinie angekündigt – mit mehr Fokus auf Projekte gegen Islamismus, Antisemitismus, Linksextremismus und Hass im Internet. Die Union hatte zuvor kritisiert, dass das Programm zu einseitig aufgestellt sei und auch antisemitische Projekte fördern würde. Die AfD und Rechtsaußen-Medien wie Nius insinuierten in einer Kampagne, dass damit Linksradikale finanziert würden. Tatsächlich fördert „Demokratie leben“ Präventionsprojekte gegen verschiedenste Arten von Extremismus, Aussteigerprogramme oder etwa Projekte, die marginalisierte Gruppen stärken.“ schreibt Konrad Litschko in der taz vom 20. März 2026 unter der Überschrift „Fatals Zeichen“. 

In mehrere Zeitungen sind die Umbaupläne der Ministerin sehr kritisch beleuchtet worden: 

In einem Artikel vom 22. März 2026 schreiben Pitt von BebenburgUrsula Rüssmann  in der Frankfurter Rundschau unter der Überschrift „Zerschlagung demokratischer Netzwerke “ beispielsweise:

„Irritiert zeigte sich der Koalitionspartner SPD. Deren bildungs- und familienpolitische Sprecherin Jasmina Hostert sagte, die Ankündigungen Priens seien nicht mit der SPD nicht abgestimmt. „Für uns ist das Programm ‚Demokratie Leben!‘ von essenzieller Bedeutung“, stellte Hostert klar.

Die Oppositionsfraktionen Grüne und Linke wandten sich gegen die Kürzungspläne. ​„Was Frau Prien hier plant, ist ein radikaler Paradigmenwechsel, der der kritischen Zivilgesellschaft die Existenzgrundlage entzieht“, sagte die Linken-Abgeordnete Mandy Eißing der Frankfurter Rundschau. Etliche Projekte stünden dann vor dem Aus.

Das bedeute einen massiven Verlust an jahrelanger Expertise. „Während Rechtsextreme seit Jahren die ‚Trockenlegung des NGO-Sumpfes‘ fordern, liefert die Ministerin jetzt die passenden Kürzungen und stellt engagierte Projekte unter Pauschalverdacht“, sagte sie.

Grünen-Fraktionsvize Misbah Khan äußerte laut AFP den „Eindruck, dass kritische Stimmen gezielt unter Druck geraten sollen und dabei selbst erhebliche Kollateralschäden wie etwa die Förderung des Zentralrats der Juden und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kauf genommen werden“.

Timo Reinfrank ist Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, die den Verbund gegen Rechtsextremismus koordiniert. Hier arbeiten unter anderem die NGOs „Gesicht zeigen“ und Aktion Sühnezeichen Friedensdienste mit. Komprex sei „das Herzstück der Rechtsextremismusprävention in ,Demokratie leben‘ und auch deutschlandweit“, sagt Reinfrank auf FR-Anfrage. 600.000 Euro habe die Stiftung dafür vom Bund erhalten. Nach jetzigem Stand müsse das Projekt eingestellt werden. „Ich sehe nicht, wie wir die Mittel kompensieren können.““

Petition der Amadeu Antonio Stiftung

Die Antonie Amadeu-Stiftung hat eine Petition unter der Überschrift „Kein Kahlschlag bei der Demokratiearbeit“ gestartet, die sich an Bildungs- und Familienministerin Karin Prien und an die Mitglieder der Bundesregierung . Hier heißt es u.a.

Über 200 Projekte zum Schutz unserer Demokratie stehen vor dem Aus.

Der geplante Kahlschlag des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch die CDU-Ministerin Karin Prien bedeutet massive Einschnitte für die Zivilgesellschaft – genau dort, wo Demokratie im Alltag verteidigt wird.
Betroffen sind zentrale Strukturen und Vereine, die alles dafür tun, dass die Versprechen der Demokratie umgesetzt werden: Beratungsangebote für Engagierte und Betroffene von Hassgewalt und Initiativen, die Solidarität in Schulen und Jugendarbeit und im ländlichen Raum leben.
In einer Zeit, in der rechtsextreme, rassistische und antisemitische Gewalt auf einem Hochstand ist, es nicht gelingt, Minderheiten zu schützen und autoritäre Kräfte an Einfluss gewinnen, sind die geplanten Kürzungen untragbar!
Was hier zerstört wird, sind gewachsene und wirksame Netzwerke, lokale Expertise und Vertrauen. Diese Strukturen lassen sich nicht ersetzen – ihr Wegfall hinterlässt eine gefährliche Lücke, die von den Feinden der Demokratie genutzt werden wird. 
Daher fordern wir: Stoppen Sie die Kürzungen und sichern Sie Demokratiearbeit langfristig ab! 
  • Sofortiger Stopp des Umbaus von „Demokratie leben!“
  • Verlässliche, mehrjährige Finanzierung bestehender Strukturen
  • Stärkung und Ausbau bewährter Netzwerke und Beratungsangebote
  • Ein Demokratiefördergesetz zur langfristigen Absicherung
Die vorgeschlagenen Akteure (Berufsschulen, freiwillige Feuerwehren, Sportvereine, Landjugend, Bibliotheken etc.) stärker in Demokratiearbeit einzubinden ist zwingend notwendig und wird begrüßt. Aber diese müssen zusätzlich gefördert werden – nicht auf Kosten bestehender Projekte. Reformen dürfen kein Kahlschlag sein, sondern müssen gemeinsam mit der Fachpraxis entwickelt werden.“