Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit.

Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik, Ausgabe 11-20221

Auszug aus: Franziska Schutzbach. Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit. Droemer Verlag. 2021

von Franziska Schutzbach

In modernen Beziehungen und Familien tragen Frauen nach wie vor die Hauptverantwortung für Hausarbeit, Kinderbetreuung und vor allem für die sogenannte mentale Arbeit, für das „Gesamtmanagement“. In Kombination mit der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen führt dies zu dramatischen Erschöpfungszuständen. Das ist nicht allein ein Effekt traditioneller Einstellungen, sondern es ist grundlegender: Unsere Wirtschaft baut auf der Ausbeutung und Abwertung von Sorgearbeit auf. Sorgearbeit gilt auch heute als eine dauerverfügbare, weiblich konnotierte Ressource, an der man sich gesellschaftlich bedient. Wenn die Erschöpfung aufhören soll, müssen wir das System ändern.

Im Jahr 1989 publizierte die Soziologin Arlie Hochschild ihre Studie „The Second Shift“. Hochschild zeigte, dass berufstätige Frauen zusätzlich immer noch eine zweite Schicht zu Hause absolvieren.[1] Hochschild fragte: Wenn beide Eltern erwerbstätig sind – wer holt dann die Kinder vom Kindergarten ab, kocht Essen und macht die Wäsche? Was Hochschild damals herausfand, war vorhersehbar: Die meisten Frauen absolvierten nach einem langen Erwerbsarbeitstag zusätzlich mehrere Stunden unbezahlter Hausarbeit. Frauen arbeiten, wenn man die Familien- und Hausarbeit dazuzählt, in den USA insgesamt einen Monat mehr pro Jahr als Männer.

Heute ist das nicht sehr viel anders.[2] Im Verlauf der 1980er Jahre konnten sich immer weniger Familien ein sogenanntes Hausfrauenmodell leisten (viele konnten es sich noch nie leisten), mit dem Preis, dass die Haus- und Familienarbeit zunehmend unter Druck geriet und unter großem Stress absolviert werden musste. Der Effekt war schon damals Müdigkeit, Erschöpfung, Schuldgefühle und Überarbeitung seitens der Frauen. Hochschild beschrieb, was heute unter dem Begriff „Mental Load“ bekannt ist: Selbst bei Paaren, die sich Erwerbs- und Familienarbeit einigermaßen gerecht aufteilten, bleibt die mentale und emotionale Verantwortungslast oft bei den Frauen. Sie bleiben die Projektleiterinnen, die den Überblick über Arzttermine, Kindergeburtstage und passende Winterkleider haben, die häufiger auf ihr Telefon schauen, um zu kontrollieren, ob der Babysitter oder die Kita angerufen haben, die also innerlich wie äußerlich konstant mit Familienarbeit befasst sind.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe November 2021. Klicken Sie hier, um zur Inhaltsübersicht dieser Ausgabe zu gelangen.

Und nicht zuletzt sind sie es, die für die emotionale Stabilität der Kinder, für Harmonie und Ausgleich in der Familie – auch in der erweiterten Konstellation mit Großeltern und Verwandten – zuständig sind. In Familien, in denen die Eltern geschieden sind oder die aus vielen Mitgliedern bestehen, fällt vor allem Frauen die Verantwortung in die Hände, alles so zu planen, dass sich niemand auf die Füße getreten fühlt oder sich über etwas ärgert. Sie sind es, die die mentale und emotionale Arbeit leisten, die sich konstant zuständig fühlen und denen auch nach Feierabend noch der Ofen auffällt, der zu putzen ist, oder die Ferien, die zu planen wären. Das ist wohl auch ein Grund, weshalb viele Frauen im Corona-Homeoffice beruflich nicht so viel schaffen wie die männlichen Kollegen: Sie fühlen sich im Homeoffice auch für die Haus- und Familienarbeit permanent zuständig. Selbst wenn es keine kleinen Kinder zu versorgen gibt, ist das Zuhause für viele Frauen ein Ort, der ständig ruft: Putz mich, räume mich auf! Das Zuhause ist eine Baustelle, die nie fertiggestellt wird – es gibt ja noch die Pflanzen, die Fenster, die Post.

Die Comiczeichnerin Emma hat das Thema in ihrem Buch „Mental Load. A Feminist Comic“ pointiert dargestellt: Männer gehen Hausarbeit eher so an, dass sie fokussiert eine Sache machen. Und dann ist das abgeschlossen. Zum Beispiel den Tisch abräumen. Frauen dagegen beginnen, den Tisch abzuräumen, unterwegs stolpern sie über ein schmutziges Küchentuch, das bringen sie zum Wäschekorb, der aber voll ist. Also setzen sie eine Wäsche auf und treffen auf den zuvor eingekauften Gemüsekorb, den sie dann kühl stellen, und während sie das tun, fällt ihnen auf, dass der Senf aufgebraucht ist, und schreiben das auf einen Einkaufszettel. Und wenn sie schon beim Einkaufszettel sind, können sie auch gleich noch überlegen, was es sonst noch braucht, und dazwischen wickeln sie vermutlich ein Kind, lösen einen Konflikt zwischen Geschwistern auf und nehmen einen Anruf entgegen. Insgesamt hat es dann zwei Stunden gedauert, bis der Tisch abgeräumt ist.

Frauen haben ihre Antennen meist in alle möglichen Richtungen gerichtet. Sich die richtigen Geschenke überlegen, mit Erziehungstipps befassen oder Listen erstellen kann natürlich auch Freude bereiten. Das bedeutet aber nicht, dass diese Aktivitäten nicht anstrengend sind. Und: Dass einige Frauen gerne an Geburtstage denken, ändert nichts an der Tatsache, dass viele das Gefühl haben, dass es von ihnen erwartet wird. Diese Pflichtgefühle sind oft so tief verwurzelt, dass Frauen akute Schuldgefühle bekommen können, wenn sie jemanden vergessen.[3] Auch der Umgang mit diesen Schuldgefühlen oder anderen Gefühlen, etwa sich Sorgen machen, gehören zur mentalen und emotionalen Arbeit, die Frauen leisten – zu Hause wie im Beruf.

Frauen ist oft nicht bewusst, dass sie neben der körperlichen Hausarbeit auch andauernde mentale und emotionale Arbeit leisten. Und auch sonst fehlt in der Gesellschaft dieses Bewusstsein. Dies hat mehrere Auswirkungen: Erstens sind Frauen beinahe doppelt so oft von Stress betroffen wie Männer.[4] Zweitens führt es dazu, dass Frauen weniger Ruhepausen haben. Sie geben oft an, dass sie sich schwer damit tun, zur Ruhe zu kommen. Auch wenn die Aufgaben erledigt sind, die sie sich vorgenommen haben, denken sie oft noch über Dinge nach, die gemacht werden müssen – von ihnen oder von anderen Personen. Drittens haben Frauen ein höheres Burn-out-Risiko, denn bei Personen, deren Tätigkeiten viel Emotionsarbeit erfordern, ist die Wahrscheinlichkeit eines Burn-outs höher.[5]

Auch Männer kennen natürlich emotional und planerisch entgrenzende Situationen, dies aber vor allem im Beruf. Zu Hause sind ihre Aufmerksamkeit und ihr Pflichtgefühl nicht das Gleiche, sie fühlen sich mehr als Unterstützer, Helfer oder Assistenten der Frauen und nicht in der Hauptverantwortung. Und letztlich fühlen sich viele Männer für Schmutz und Unordnung auch deshalb weniger zuständig, weil es nicht auf sie zurückfällt, wenn nicht geputzt ist.

Wie heterosexuelle Familien Arbeit (nicht) teilen

Aber wie sieht es bei heutigen heterosexuellen Paaren mit Kindern genau aus? Sehen wir nicht auch eine Modernisierung und neue Vaterrollen? In der Schweiz gibt ein Viertel der Väter in heterosexuellen Konstellationen an, dass sie sich aktiv um den Nachwuchs kümmern oder kümmern möchten. In Deutschland sind es sogar siebzig Prozent. In sogenannten kreativen Berufsmilieus sind viele Väter einen oder zwei Tage die Woche zu Hause, andere versuchen, während Randzeiten, am Wochenende oder in den Ferien präsent zu sein. Auch in den USA geben Väter an, dass sie es sich aus beruflichen und finanziellen Gründen zwar nicht leisten können, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, sich aber trotzdem mit ihren Kindern beschäftigen und in der Familie präsent sind: Die meisten dieser Väter sagen, dass sie die Zeit mit ihren Kindern als Bereicherung empfinden und die Beziehung ihrem Leben Sinn gibt.

Allerdings führt die Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung keineswegs automatisch zu einer ausgeglicheneren Arbeitsteilung. Mehrere Studien belegen, dass selbst in den skandinavischen Vorbildländern die institutionalisierte Vaterzeit nicht die erhoffte Wirkung zeigt: In Schweden nimmt ein Großteil der Väter gerade mal zwei von 15 Monaten Elternzeit in Anspruch. Für Männer bleibt es oft eher eine freiwillige Option, und wenn sie aus verschiedenen Gründen die Elternzeit nicht oder nur zum Teil in Anspruch nehmen, wird vorausgesetzt, dass die Mütter die dadurch entstehende Lücke füllen. Umgekehrt ist das keineswegs so. Die schwedische Forscherin Lisbeth Bekkengen hat zudem beobachtet, dass Mütter in Elternzeit wie gehabt auch für den Hauptteil des Haushalts verantwortlich sind. Das gilt für Väter meist nicht. Vielmehr etabliert sich eine umgekehrte Dynamik: Gerade, weil Männer sich um das Kind kümmern, können sie die Hausarbeit ihren Frauen überlassen.[6]

Die Forscherin fand heraus, dass es eine Art Paradoxie der Anerkennung gibt: Männer erhalten in der Regel für ihren Beitrag besonderen Beifall. Wenn dieselbe Arbeit von Frauen verrichtet wird, gilt sie als selbstverständlich. Auch Frauen betonen oft mit Nachdruck, wie bemerkenswert es sei, dass ihre Männer für ihre Kinder sorgen oder sorgen wollen. Die Familiensoziologie nennt dieses Phänomen „Ökonomie der Dankbarkeit“: Frauen, deren Partner sich an der Kinderbetreuung beteiligen, sind dafür in der Regel dankbar. Und trauen sich deshalb oft nicht, auch in Sachen Haushalt oder Planung mehr einzufordern. Kurz gesagt: Wenn Männer auf Kinder aufpassen, putzen Frauen mehr, und ihre unsichtbaren Zuständigkeiten werden erst recht nicht mehr hinterfragt. Das verstärkte Engagement der Väter mit den Kindern ist also nur bedingt eine Entlastung. Eine geteilte Kinderbetreuung kann alte Ungleichheiten unter dem Deckmantel des guten Willens verstärken. Wenn beide gleich viel Zeit mit den Kindern verbringen, bleibt die physische wie mentale Hausarbeit oft erst recht bei den Frauen.

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Rezension „Die Erschöpfung der Frauen“ in: Süddeutsche Zeitung, 10.11.21

#Notbremse JETZT: Die Delta-Welle brechen und die Pandemie wirksam eindämmen!

Petition We act hier unterzeichnen

Offener Brief an den designierten Bundeskanzler Olaf Scholz

#Notbremse JETZT: Die Delta-Welle brechen und die Pandemie wirksam eindämmen!

#NotbremseJETZT: Die Delta-Welle brechen und die Pandemie wirksam eindämmen!

Sehr geehrter Herr Scholz,

Sie stehen nicht nur als Vizekanzler der geschäftsführenden Regierung Merkel in der Verantwortung, sondern Sie streben als Gewinner der Bundestagswahl das Amt des Kanzlers der nächsten Bundesregierung an. Angesichts der immer bedrohlicheren Lage in der vierten Corona-Welle sind gerade SIE jetzt gefordert, bei der Pandemiebekämpfung Ihre Führungsstärke unter Beweis zu stellen.

Am 13.11.2021 haben 35 namhafte Wissenschaftler:innen in einem Brandbrief gewarnt, die derzeitige pandemische Situation habe „das Potential, die Situation aus dem Frühjahr und vergangene Wellen in den Schatten zu stellen. Einmal mehr ist der Zeitpunkt für frühzeitiges Handeln allen Warnungen zum Trotz verstrichen. Das Infektionsgeschehen breitet sich unkontrolliert aus. Das Gesundheitssystem läuft Gefahr, zusammenzubrechen.“ (https://med-bio.physik.tu-dortmund.de/cms/de/home/COVID-19/COVID-Oeffentlicher-Brief/index.html)

Nehmen Sie bitte diese Warnungen der Wissenschaft ernst! Aufgrund der Rekordwerte bei Neuinfektionen und der dramatisch steigenden Zahlen an Coronatoten ist ein Kurswechsel überfällig. Führen Sie als künftiger Kanzler der Bundesrepublik unser Land zu einer Politik der effektiven Eindämmung der Corona-Pandemie.

Warum ist das wichtig?

  1. Die epidemische Lage nationaler Tragweite in dieser Situation auslaufen zu lassen und das Instrumentarium der Pandemiebekämpfung schon jetzt drastisch zu beschneiden, ist ein schwerer politischer Fehler, den Deutschland möglicherweise mit Zehntausenden zusätzlichen Coronatoten bezahlen wird.
  2. Oberstes Ziel muss die Eindämmung der Neuinfektionen auf ein niedriges Niveau sein. Hohe Inzidenzen überlasten das Gesundheitssystem und gefährden die gesamte Bevölkerung – auch die Geimpften. Mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Regierung einen fachlich kompetenten Ratgeber an ihrer Seite, dessen Empfehlungen zusehends ignoriert wurden. Um die vierte Welle erfolgreich einzudämmen, müssen die alte wie auch die neue Bundesregierung ihre Pandemiepolitik wieder an der Expertise des RKI und seiner ControlCOVID-Strategie orientieren.
  3. Aktuell sind als Notbremse rasche Sofortmaßnahmen nötig, um die vierte Welle zu brechen – gerade hier sind Sie als Vizekanzler und designierter Kanzler jetzt aktiv gefordert, Herr Scholz! RKI-Chef Prof. Dr. Lothar Wieler hat sich am 12. November 2021 auf der Bundespressekonferenz klar geäußert: Setzen Sie sich dafür ein, dass auf Bund-Länder-Ebene umgehend strengere Corona-Schutzmaßnahmen entsprechend der wissenschaftlichen dringenden Empfehlungen des RKI beschlossen und umgesetzt werden. Jetzt zeitweise notwendige Kontakteinschränkungen sollten von Erwachsenen mitgetragen werden, um die Lasten der Pandemie nicht vor allem Familien zuzumuten.
  4. Insbesondere im Bereich der Schulen und KiTas wurden zuletzt die Ratschläge des RKI ignoriert, was sich in z.T. extrem hohen Zahlen von Neuinfektionen unter den zum größten Teil ungeimpften Schul- und Vorschulkindern niedergeschlagen hat. Kinder und ihre Familien waren aber schon viel zu oft die Leidtragenden einer undurchdachten Corona-Politik. Deshalb brauchen wir jetzt verbindliche Länder-Vereinbarungen zum Infektionsschutz für Kinder und Jugendliche. Nur mit Maskenpflicht in Schulen, engmaschigem Testen und konsequent umgesetzten Gruppenquarantäneregeln im Falle eines Positivfalls in der Lern- oder Betreuungsgruppe wird eine Eindämmung des in vielen Regionen außer Kontrolle geratenen Infektionsgeschehens unter Kindern und Jugendlichen gelingen. Zur Verbesserung der Pandemiesicherheit sollten Luftfilter (sei es als stationäre Anlagen oder als mobile Geräte betrieben) für alle Räume in Schulen und Kitas schnellstmöglich zum verpflichtenden Standard werden.
  5. Um die immer noch bestehende Impflücke zu schließen, die Booster-Quote rasch zu erhöhen und die Impfquote unter den 12-17-Jährigen zu verbessern, veranlassen Sie bitte endlich eine wirkungsvolle, umfassende Impfkampagne der Bundesregierung mit niederschwelligen aufsuchenden Impfangeboten und klarer wissenschaftlich fundierter adressatenangepasster Aufklärung.

Herr Scholz, nicht ein rascher Abschluss der Koalitionsverhandlungen ist jetzt entscheidend, sondern die Bewältigung einer sehr kritischen bedrohlichen Phase der Pandemie. Setzen Sie sich mit ganzer Kraft dafür ein, dass die vierte Welle rasch gebrochen wird. Die Eindämmung der Pandemie muss das oberste Ziel einer wissenschaftsgeleiteten Coronapolitik der von Ihnen geführten neuen Bundesregierung sein. Alle anderen Bereiche unseres Landes nehmen übermäßigen vermeidbaren Schaden, wenn dieses Ziel nicht mit aller Kraft verfolgt wird.

Wir danken Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Antwort und das Ernstnehmen der aktuellen bedrohlichen Pandemiephase.

Deutschland, 14. November 2021

Erstunterzeichner:innen des Offene

Warum Feminismus und Gleichberechtigung auch Männersache sind

#Feminismus #Gleichberechtigung #zoomIN

Warum Feminismus und Gleichberechtigung auch Männersache sind | ZoomIN

194.253 Aufrufe – 06.05.2021 –

Gleichberechtigung in Deutschland 2021: Frauen dürfen doch eigentlich alles – wählen, studieren, in jedem Beruf arbeiten. Aber trotzdem gibt es auch hier noch genug strukturelle Ungleichheiten, sei es die Bezahlung, die Familienfürsorge oder die berufliche Chancengleichheit – insbesondere im Vergleich zu Männern. Warum ist das immer noch so? Und welche Rolle haben Männer im Feminismus und für die Gleichberechtigung?

Diese Fragen hat sich auch unsere Redakteurin Maral Bazargani gestellt. Sie hat mit Feministen und Feministinnen, der Soziologin Jutta Allmendinger und der UN-Women-Vorsitzenden Karin Nordmeyer darüber gesprochen, warum Feminismus eben auch Männersache ist.

Für diese Folge ZoomIN war Maral außerdem in der Mainzer Innenstadt unterwegs und hat mit einigen Männern über das Thema Feminismus und Gleichberechtigung gesprochen. Was ganz klar wurde: Für eine gleichberechtigte Welt, in der Männer, Frauen und alle Geschlechter die gleichen Rechte haben, müssen wir alle gemeinsam kämpfen.


#Feminismus #Frauen #Gleichberechtigung

Feminismus – kann das weg? | doku | engel fragt16.907 Aufrufe – 17.03.2021

Die Vorstandsebene – durchflutet von Frauen. Männer – zuhauf in Elternzeit. Und Frauen, die sich auf Instagram so präsentieren wie sie wollen und dabei nicht auf ihren Körper reduziert werden. Realität? Ein Traumbild? Oder auf einem guten Weg dorthin? Die Feministinnen der 60er Jahre hatten lila Pluderhosen an und gingen auf die Straße. Sie kämpften für ihre Selbstbestimmung, etwa darum ein eigenes Konto führen zu können oder arbeiten zu dürfen ohne die Einwilligung ihres Ehemanns einholen zu müssen. Alles staubige Vergangenheit, die Frauen haben viel erreicht. 2021, es lebe die Gleichberechtigung, sagen die einen. Traditionelles Rollendenken ist immer noch vorhanden, die Welt nach wie vor männerdominiert, sagen die anderen. Anne Chebu will wissen: Wo liegt die Wahrheit? Feminismus – kann das weg?


https://www.youtube.com/watch?v=tcGaDPUSJL0

#2017plus

Kübra Gümüşay: Islamischer Feminismus in Deutschland13.951 Aufrufe – 02.06.2016 – Friedrich-Ebert-Stiftung

ISLAMISCHER FEMINISMUS – DER BLICK NACH DEUTSCHLAND: Ein Austausch zu feministischen Konzepten und Strategien am 25. Mai 2016 in Berlin Feminist*innen kämpfen um die Selbstbestimmung von Frauen, für Gleichberechtigung und gegen Sexismus. Auch der Islam kennt einen Feminismus und seine Vertreter*innen sind gestern wie heute präsent und geben der Bewegung ihre Stimme.

Im Februar 2016 hat die Friedrich-Ebert-Stiftung mit der Tagung „Islamischer Feminismus – Internationale Annäherungen“ einem breiten Publikum die Möglichkeit zu Austausch und Diskussion über islamische Geschlechterbilder, die Themen Frauenrechte und Gleichberechtigung sowie das Selbstverständnis islamischer Feminist*innen geboten und dabei internationale Perspektiven in den Blick genommen. Am 25. Mai 2016 haben wir daran angeknüpft und den Blick nach Deutschland gerichtet. Welche theoretischen Diskurse werden zu islamischem Feminismus in Deutschland geführt? Welche praktischen Strategien von Empowerment gibt es für muslimische Frauen Und welchen Rahmenbedingungen muss sich der islamische Feminismus in Deutschland stellen?


Islam und Feminismus – geht das zusammen? | Lass uns reden! 18.611 Aufrufe – 26.10.2019

Mit Journalistin Necla Kelek und Rapperin Lady Bitch Ray knallen zwei Welten aufeinander. Sie streiten bei „Lass uns reden!“ über Feminismus, die Rolle der Frau im Islam. Reyhan Sahin und Necla Kelek: Zwei Feministinnen mit Migrationshintergrund, zwei Stimmen, die sich für die Selbstbestimmung islamischer Frauen stark machen. Aber sie vertreten gegensätzliche Standpunkte.

Die promovierte Linguistin und Rapperin Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray fordert einen neuen Feminismus, der sich nicht nur auf die westliche weiße Frau begrenzt und explizit auch islamische Frauen einschließt. Necla Kelek, Soziologin und Vorstandsfrau von „Terre des Femmes“, hält dagegen: Für sie steht der Islam für eine systematische Unterdrückung der Frau, in der kein Platz ist für feministische Selbstbestimmung.

Politische Debatte – Pro und Contra Corona-Impfpflicht

Quelle: Deutschlandfunk 24.11.21

Politische Debatte – Pro und Contra Corona-Impfpflicht

Mehrere Spitzenpolitiker sprechen sich angesichts der angespannten Corona-Lage für eine allgemeine Impfpflicht aus. Einige Verfassungsrechtler halten einen solchen Eingriff für verhältnismäßig. Aber es gibt Bedenken. Gesundheitsminister Jens Spahn glaubt etwa, eine Impfpflicht könne das akute Problem in der vierten Welle nicht lösen.

Die Coronazahlen in Deutschland steigen aktuell in bislang nie gekannte Höhen. Die Impfquote rangiert derweil bei rund 68 Prozent und zeigt kaum noch nach oben. In dieser Lage wird auch in Deutschland über Möglichkeit, Verhältnismäßigkeit und Sinn einer allgemeinen Impfpflicht diskutiert, wie Österreich sie ab Februar 2022 einführen will.

Wer und was spricht für eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus?

Mehrere Ministerpräsidenten besonders betroffener Bundesländer sprechen sich inzwischen für eine allgemeine Impfpflicht aus. So warben etwa Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ dafür.

„Eine Impfpflicht ist kein Verstoß gegen die Freiheitsrechte. Vielmehr ist sie die Voraussetzung dafür, dass wir unsere Freiheit zurückgewinnen“, schrieben beide Politiker. Im „heute-journal“ des ZDF machte Kretschmann deutlich, dass er dies für verfassungskonform hält. Vor einigen Jahrzehnten habe es bereits eine Impfpflicht in Deutschland gegeben – und aktuell in abgeschwächter Form auch bei Masern.

„Wir wissen natürlich alle: Das ist ein Vorschlag nicht für jetzt sofort“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt im Deutschlandfunk. Es brauche hier verschiedene Abstufungen: Zunächst gehe es um eine Impfpflicht in Einrichtungen für besonders empfindliche Gruppen und dann im nächsten Frühjahr oder Herbst um eine Impfpflicht für alle – „kein Impfzwang und auch nicht mit gewaltanwendung aber eine Impfpflicht – das sind zwei ganz verschiedene Dinge“, so die Grünen-Politikerin. Es gebe jedoch auch logistische Fragen: Da werden wir Hilfe brauchen von THW, von Bundewehr – wir werden in Apotheken impfen müssen.“

Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) zum Impfen in der vierten Welle

„Ich persönlich bin inzwischen als Ultima Ratio tatsächlich für diese allgemeine Impfpflicht“, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) im Dlf. „Ich glaube, dass wir aus dieser Endlosschleife tatsächlich nur rauskommen, wenn diese Impfpflicht kommt. Die wird uns jetzt nicht heute und morgen helfen, aber die wird uns möglicherweise aus der Pandemie insgesamt rausbringen.“

Bayerns Gesundheitsminister Holetschek (CSU) für Impfpflicht

Zustimmung kam auch von den CDU-Regierungschefs Volker Bouffier aus Hessen, Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Reiner Haseloff aus Sachsen-Anhalt. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte, eine Impfpflicht käme zu spät, um die vierte Corona-Welle zu stoppen, könne aber „für die Zukunft mit Blick auf die bundesweite Situation sicherlich“ nicht ausgeschlossen werden.

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach befürwortet eine allgemeine Impfpflicht. „Aus meiner Sicht ist der Moment der Impfpflicht gekommen“, sagte Lauterbach im Sender n-tv und nahm Bezug auf ein Zitat des Bundespräsidenten: „Ich sehe das wie Frank-Walter Steinmeier: Was muss denn noch passieren, damit die Leute sich bequemen, eine ungefährliche Impfung über sich ergehen zu lassen, zumindest zu dem Zweck, andere zu schützen?“ Eine Impfpflicht würde allerdings erst „im Februar oder März“ entlastende Wirkung entfalten, sagte Lauterbach im Dlf. Der Deutsche Ethikrat hat bislang keine Empfehlung für eine allgemeine Impfpflicht abgegeben.

Karl Lauterbach (SPD): „Wir werden in den nächsten Wochen in eine wirklich schwierige Situation kommen“

Wer und was spricht gegen eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus?

Eine allgemeine Impfpflicht löse nicht das akute Problem, sagte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Dlf-Interview. Die Wirkung käme „viel zu spät“. Darüber hinaus würde eine Impfpflicht auch das Verhältnis von Bürger zu Staat berühren. „Das ist ja nicht nur eine Rechtsfrage“, sagte Spahn im Dlf. „Es ist eine Frage von Freiheit und Verantwortung. Aus meiner Sicht gibt es eine moralische Verpflichtung, eine gesellschaftliche Verpflichtung, sich impfen zu lassen, weil Freiheit ja nicht heißt, jeder macht was er will.“ Eine Impfpflicht sei schwer durchzusetzen und könnte das negative gesellschaftliche Folgen haben, sagte der Gesundheitsminister.

Interview mit Jens Spahn, CDU, Bundesgesundheitsminister, zu: Impfpflicht und 2G

Er widersprach dem oft angeführten Argument, mit der verpflichtenden Pockenimpfung habe es bereits einen Präzedenzfall für eine allgemeine Impfpflicht gegeben. „Ja, die gab es mal, eingeführt im Kaiserreich, aber es war im Kern, wenn man genau hinschaut, eine Impfpflicht für Kinder, die relativ bald nach der Geburt geimpft werden mussten, und in bestimmten Berufen. Eine allgemeine Impfpflicht für jeden Menschen im Land, die hat es noch nie gegeben.“

Simulationsexperte Popper: „Es ist extrem wichtig, schnell zu entscheiden“

Der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick fürchtet im Fall einer allgemeinen Impfpflicht mit einer weiteren Verschärfung der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er, er rechne damit, dass bestimmte Gruppen unter den Impfgegnern dann noch sehr viel aggressiver aufträten.

Wäre eine allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19 verfassungskonform?

Eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus wäre laut Verfassungsrechtlern ein Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Renommierte Juristen halten sie dennoch für vereinbar mit dem Grundgesetz. Häufig kreist die Diskussion um Artikel 2:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

„Wenn man eine überzeugende gesetzliche Grundlage dafür schafft, dann ist das verfassungsrechtlich möglich“, sagte Verfassungsrechtler Ulf Buermeyer, Vorsitzender der „Gesellschaft für Freiheit“, im Dlf. „Ja, eine solche Pflicht wäre ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, allerdings ist dieser Eingriff vergleichsweise geringfügig. Es handelt sich ja zunächst einmal um einen Piks. Es gibt dann eine unangenehme Impfwirkung. Und es gibt außerdem extrem unwahrscheinliche Nebenwirkungen, das muss man sehen.“

Buermeyer verweist auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Masern-Impfung. Dazu habe das Gericht im Eilverfahren „eindeutig festgestellt“, so der Verfassungsrechtler, dass „der Gesundheitsschutz, als der Schutz vor den Folgen einer Infektion, die Sorge vor den Nachteilen einer möglichen Impfung weit überwiegt“.

„Verfassungsrechtlich möglich“ – Interview mit Verfassungsrechtler Ulf Buermeyer

Impfpflichten habe es historisch gegeben, erklärte der Verwaltungsrechtler Hinnerk Wißmann von der Universität Münster in Deutschlandfunk Kultur. Bedingung für solche Maßnahmen sei aber, dass sie etwas nützten und dass „anderes nicht genügend hilft“. Wißmann sieht grundsätzlich „ganz gute Indikatoren, dass die Impfung einen Unterschied macht“. Der Zeitung „Die Welt“ sagte Wißmann, eine Impflicht sei das mildere Mittel, „wenn die Alternative ist, den freien Staat in Lockdown-Endlosschleifen abzuschaffen“.

Nach dem 1874 unter Otto von Bismarck eingeführten Reichtsimpfgesetz mussten über 100 Jahre lang Kinder im ersten Jahr nach ihrer Geburt gegen Pocken geimpft werden. Seit 1980 gelten die Pocken laut WHO als ausgerottet. Die Pocken-Impfpflicht in der Bundesrepublik wurde ab den 1970er-Jahren schrittweise abgeschafft.

 Uwe Volkmann, Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht an der Goethe-Universität Frankfurt, sagte, die „Eingriffstiefe“ sei geringer als „die andernfalls erforderlichen gravierenden Freiheitseinschränkungen“. Er warf die Frage auf, ob hier nicht „eine Impfpflicht die klare und einfache Lösung wäre, weil sie auf das Recht setzt, statt beständige, auch moralische Ausgrenzung“. Das sei zwar keine optimale Lösung. „Aber es gibt im Augenblick eben auch nur zweit- oder drittbeste Lösungen.“

Wann kommt die Impfpflicht in Krankenhäusern und Pflege?

Einstimmig beschlossen wurde auf dem jüngsten Bund-Länder-Gipfel eine „einrichtungsbezogene“ Impfpflicht für Menschen, die etwa in Krankenhäusern und Pflegeheimen oder anderweitig im Kontakt mit besonders infektionsgefährdeten Gruppen arbeiten. Andere Länder wie Italien, Frankreich, Großbritannien und Griechenland haben eine Impfpflicht in Pflegeberufen schon eingeführt, andere wie Lettland, Belgien und Österreich planen, dies in den kommenden Monaten zu tun.

Bei der einrichtungsbezogenen Impfpflicht geht es nicht nur um das medizinische Personal, sondern um alle Mitarbeitenden, die eine Einrichtung betreten, also etwa auch um Reinigungskräfte. Entscheiden soll darüber allerdings der Bundestag.

Änderung des Infektionsschutzgesetzes: Das sind die neuen Corona-Regeln

Die Ampelkoalition muss sich noch einigen. Die FDP hatte sich lange gegen eine Corona-Impfpflicht für die Beschäftigten bestimmter Einrichtungen wie Pflegeheime gewandt. Doch sie hat ihren Standpunkt geändert. Die Länder baten den Bund, die Impfpflicht „schnellstmöglich umzusetzen“. Olaf Scholz, voraussichtlich nächster Kanzler der Bundesrepublik, ging nach der Ministerpräsidentenkonferenz davon aus, dass ein entsprechendes Gesetz frühestens Mitte Dezember den Bundestag passieren könnte. Erarbeiten soll den Gesetzentwurf dazu nun der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Christel Bienstein vom Deutscher Bundesverband für Pflegeberufe begrüßt teilweise Impfpflicht

In Italien schossen die Impfzahlen mit Einführung der Impfpflicht einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge schnell nach oben. Demnach habe die Quote im Juni bei 98 Prozent gelegen und die Zahl der Infektionen in Altenheimen sei stark zurückgegangen.

Tino Chrupalla (AfD) im Interview der Woche: „Eine Impfpflicht würde die Situation verschärfen“

Gegner wie der AfD-Ko-Parteichef Tino Chrupalla fürchten, die in der MPK vereinbarte Teil-Impfpflicht könne zu Kündigungen unter ohnehin schon knappen Pflegekräften führen. In Frankreich, wo seit September eine Impfpflicht in der Pflege gilt, hat allerdings nahezu keine Abwanderung von Personal stattgefunden. Mitte Oktober hatte Frankreichs Gesundheitsminister angegeben, dass nur 15.000 der mehr als zwei Millionen Betroffenen noch nicht geimpft seien. Wiederum 0,1 Prozent dieser 15.000 Menschen seien bereit, den Schritt der Kündigung zu wählen.

Impfpflicht für bestimmte Berufe kommt, Forderungen auch aus anderen Branchen

Auch Axel Radlach Pries, der Dekan der Charité in Berlin, äußerte nur wenige Bedenken, dass Pflegekräfte durch die Impfpflicht ihren Beruf aufgeben könnten: „In Ländern, in denen es schon Impfpflichtelemente gibt, ist das so in der Form nicht wirklich passiert, und ich glaube auch, dass am Ende des Tages Personen, die im medizinischen Versorgungssektor arbeiten, doch sehr vernünftig sind und so was auch durchaus akzeptieren würden“, sagte er im Dlf.

Interview mit Axel Radlach Pries, Dekan der Charité zur Situation in den Krankenhäusern

Wissenswertes zum Coronvirus

Corona-Debatte: Vergesst den »Zusammenhalt« – Kolumne

 Quelle: SPIEGEL online –  21.11.2021, 14.19 Uhr

Eine Kolumne von Christian Stöcker

Corona-Debatte: Vergesst den »Zusammenhalt« – Kolumne

Impfgegner verschicken Morddrohungen, die Intensivstationen quellen über, die Politik aber beschwört weiter den »Zusammenhalt« und die Gefahr einer »gesellschaftlichen Spaltung«. Damit muss Schluss sein.

Hier einige Sätze aus E-Mails, die ich diese Woche als Reaktion auf diese Kolumne bekommen habe.

»Wenn in Zukunft die Verfehlungen der Coronakrise aufgearbeitet werden, dann werden Sie der erste Medienvertreter sein, der sich mit Bezug auf die Corona-Krise vor Gericht verantworten muss. Der Begriff Nürnburg 2.0 fällt immer öfter.«

»Sollten Sie fortfahren, durch Ihre Hetze eine Impfpflicht herbeizuschreiben, was Sie indirekt und absichtlich tun, so werde ich mir erlauben im Falle einer Schädigung meiner Familie durch eine von Ihnen mitzuverantwortende Zwangsimpfung Sie ganz persönlich auf alttestamentarischem Weg zur Rechenschaft zu ziehen.«

»Aufgrund dieser und weiterer Ihrer Veröffentlichungen werden wir für Sie zu angemessener Zeit die Todesstrafe in einem demokratischen Verfahren bei einem ordentlichen Gericht beantragen, denn es zeigt sich in Ihrem Denken und in Ihren Publikationen eine durchgängig gefestigte faschistische Grundeinstellung.«

»bist du eigentlich lebensmüde??? mit deiner antidemokratischen schmähschrift im spiegel hast du gerade 15 millionen ungeimpfte und teilweise auch geimpfte bürger gegen dich aufgebracht. und das sind nicht mehr nur irgendwelche dumpfbacken. das sind leute, die den intellekt, das geld und den willen haben, dich dafür zukünftig zur rechenschaft zu ziehen. in deiner haut möchte ich nicht stecken.«

»Du hast mit ihm [dem Text] so viele Menschen so sehr gegen dich aufgebracht, dass ich davon ausgehe, dass er dein Todesurteil bedeuten könnte.«

Dazu muss man sagen, dass ich mit Sicherheit weit weniger derartige Zuschriften bekomme (wenn auch bei Weitem nicht zum ersten Mal), als andere Leute, die sich öffentlich äußern: Ich bin ja weiß, männlich und auch sonst in vielfacher Hinsicht privilegiert. Viele Kolleginnen und Kollegen machen noch viel häufiger solche und noch weit schlimmere Erfahrungen.

Zwei Dinge aber finde ich an diesen Zuschriften bemerkenswert.

  1. In diversen dieser Mails (ich habe alle, in denen mein baldiger Tod angekündigt wird, zur Anzeige gebracht) wird, wie im obersten Zitat, eine Parallele konstruiert zwischen Leuten, die sich nicht impfen lassen wollen und den Opfern der Nazidiktatur. »Nürnberg 2.0«, eingestreute Zitate der Attentäter vom 20. Juli 1944, »Faschismus«-Vorwürfe. Die Ironie, dass sie selbst die »Todesstrafe« für jemanden fordern, der lediglich einen Text geschrieben hat, während sie sich als »Faschismusopfer« wähnen, entgeht den Leuten offenbar. Dieser Dreh ist natürlich nicht neu, siehe gelbe »Ungeimpft«-Sterne auf »Querdenker«-Demonstrationen. Erstaunlicherweise schicken viele mittlerweile aber Morddrohungen unter Klarnamen, manche mit Firmenadresse in der Signatur. Das führt uns zu Punkt 2:
  2. Viele derer, die da schreiben, scheinen wirklich zu glauben, dass demnächst eine politische Situation in diesem Land entstehen könnte, in der Leute wie ich hingerichtet werden – ungeachtet der Tatsache, dass eine gewaltige Mehrheit längst geimpft ist, freiwillig und bereitwillig. »Wie vielfach im privaten und dienstlichen Umkreis zu beobachten ist«, schreibt einer, »beginnt sich die Situation zur Glaubwürdigkeit der Politik und Medien langsam zu drehen, erste Absatzbewegungen sind erkennbar. Nur du scheinst den Schuss noch nicht gehört zu haben.« Er ist nicht der Einzige, der das so zu sehen scheint. In den Telegram- oder Facebook-Gruppen, in denen meine Mailadresse wohl herumgereicht wurde, existiert also nicht nur in Bezug auf Covid-19 und Impfungen eine mit den Fakten nicht übereinstimmende Parallelrealität. Sondern auch in Bezug auf die Gesellschaft als Ganzes. Wer sich für diese Gruppierung und ihre Mechanismen, Strategien und Denkweisen interessiert, dem sei dieser Report des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie sehr empfohlen (ab Seite 24).

Sicher: Diejenigen, die solche Mails schreiben, sind ganz sicher nicht repräsentativ für alle Ungeimpften in diesem Land. Es gab auch durchaus differenzierte und höfliche Zuschriften von Menschen, die der Meinung sind, dass bei ihnen eine medizinische Indikation eine Impfung ausschließt, wofür ich größtes Verständnis habe. Gerade Personen, die sich nicht impfen lassen können, müssen ja von den Übrigen mitgeschützt werden. Und Leute, die aus ganz anderen Gründen auf ein Intensivbett angewiesen sind.

Die bemerkenswerte Karriere des Begriffs »Zusammenhalt«

Was uns zu einem, jenseits von Extremisten und ihren Morddrohungen, viel häufiger geäußerten Argument all jener führt, die Kritik an mangelnder Impfbereitschaft ablehnen: Das führe zu einer »gesellschaftlichen Spaltung« oder gefährde den »Zusammenhalt«.

Vor einigen Wochen hatte ich am New Institute in Hamburg die Gelegenheit, einen Vortrag des in Princeton lehrenden Politologen Jan-Werner Müller zu hören. Er wies unter anderem darauf hin, welch eine bemerkenswerte Karriere der Begriff »Zusammenhalt« in der öffentlichen Debatte hierzulande in den vergangenen Jahren gemacht hat.

»Nicht der Konflikt an sich ist eine Gefahr für das Gemeinwesen«, heißt es in einem Essay, den Müller im Sommer veröffentlichte, »es kommt vielmehr ganz darauf an, wie er angezettelt wird und unter welchen Bedingungen er beigelegt werden kann«.

Immer wieder die gleichen Teile?

Der derzeit am gleichen Institut tätige Verfassungsrechtler Christoph Möllers schrieb in einem 2020 erschienenen Buch: »Politische Spaltung entsteht nicht aus zu vielen, sondern aus zu wenigen Unterscheidbarkeiten.« Von einer politischen Spaltung könne man ohnehin nur sprechen, »wenn sich eine Gesellschaft immer wieder in die gleichen Teile teilt«.

Interessanterweise beziehen sich beide in ihren Texten auf eine andere, etwas ältere Kritik an vermeintlich den Zusammenhalt bedrohenden Tendenzen: die Kritik an »Identitätspolitik«. Der Vorwurf, den »Zusammenhalt« zu gefährden kommt nämlich oft von rechts. Wer gleiche Rechte für die eigene Gruppe fordert, gefährdet aber zunächst einmal nur den Status quo, nicht den »Zusammenhalt«.

Dass Menschen, die sich gegen Rassismus, Sexismus oder gar sexuelle Nötigung wehren, dem »Zusammenhalt« schaden sollen, finden beide Autoren abwegig. »Der Versuch, soziale Fairness gegen Antidiskriminierungspolitik auszuspielen, basiert letztlich auf der irrigen Vorstellung, es handele sich dabei um eine Art Nullsummenspiel«, schreibt Müller. Und über den Begriff »Zusammenhalt« selbst: »Ohne eine Einbettung in einen größeren Zusammenhang von Werten bleibt der Begriff politisch-moralisch unbestimmt.«

Den Boden gemeinsamer Werte längst verlassen

Dieser Satz passt erschreckend gut zur aktuellen Situation, denn einmal mehr wird der Wunsch nach gesellschaftlicher Solidarität (nun durch den Akt des Impfens) jetzt unter Verweis auf die Gefahr von »Spaltung« und die Bedrohung des »Zusammenhalts« infrage gestellt. Leute, die Mails mit Morddrohungen schreiben, und auch solche, die anonymen Behauptungen in irgendwelchen Telegram-Kanälen mehr Glauben schenken als dem Robert Koch-Institut oder der ständigen Impfkommission, haben den Boden gemeinsamer Werte aber längst verlassen.

Zum Lesen und Weiterleiten: Warum soll ich mich impfen lassen? Eine Kolumne von Sascha Lobo

Das Gleiche gilt für diejenigen, die sich mit Holocaust-Opfern vergleichen, weil sie die Risikobalance zwischen Impfung und Infektion noch immer nicht verstehen wollen. In diesem Zusammenhang sei noch einmal diese argumentative Handreichung von Sascha Lobo empfohlen.

Ich persönlich würde nicht so weit gehen wie Christian Vooren, der diese Woche in der »Zeit« forderte, die Gesellschaft müsse diesen Weg sogar gehen. Nötig sei »ein scharfer Keil. Einer, der die Gesellschaft spaltet«, aber an der richtigen Stelle.

Man löst das Problem nicht, indem man den Verblendeten entgegenkommt

Ich glaube, diese Spaltung existiert längst: Es gibt eine noch immer relativ kleine Gruppe von Menschen, die sich aus dem Werte- und Faktenkanon aller Übrigen verabschiedet hat. Anderswo, etwa in den USA, ist es weit schlimmer. Es ist durchaus möglich, dass sich diese Gruppe auch hierzulande so verfestigt, dass sich dadurch ab jetzt unsere »Gesellschaft immer wieder in die gleichen Teile teilt«, um es mit Möllers zu sagen, aber ausgemacht ist das nicht.

Man wird diesem Problem jedenfalls nicht begegnen, indem man denen, die den Boden gemeinsamer Werte und geteilter Tatsachen verlassen haben, möglichst weit entgegenkommt. Betrieben wird die »Spaltung« nicht von bald 80 Prozent Geimpften ab 12 Jahren, und auch nicht von Leuten, die nicht an eine globale Verschwörung glauben. Aber das Leid etwa von Schulkindern, Eltern, Studierenden, Pflegekräften, Intensivmedizinerinnen und -medizinern war bislang offenbar weniger wichtig als der »Zusammenhalt«.

Zusammenhalt trotz Stümperei

Tatsächlich hat ein weit überwiegender Teil der Bevölkerung in den vergangenen 20 Monaten enorme Bereitschaft zum Zusammenhalt bewiesen, trotz himmelschreiender politischer Stümperei. Die Politik, die künftige Regierung verhalte sich »wie auf einer Party, auf der sich alle einig sind, dass man eine Spaltung der Gesellschaft doch auf keinen Fall riskieren wolle«, schrieb Jan Feddersen diese Woche in der »taz«, »und genau das ist falsch, weil Rücksicht genommen wird, hinter der sich Entscheidungsschwäche verbirgt.«

Pandemie und Klima: Überraschte Politiker sind schlechte Politiker Eine Kolumne von Christian Stöcker

Deutsche Corona-»Strategie«: Der schlimmste, ärgste, längste Fehler Eine Kolumne von Christian Stöcker

Das stimmt: Man hätte beispielsweise mit mehr und viel früheren 2G-Regeln, Impfpflichten für bestimmte Berufe und anderen Maßnahmen schon lange dafür sorgen können, dass die jetzt unausweichliche Katastrophe auf den Intensivstationen ausbleibt oder zumindest weniger schlimm ausfällt.Gesellschaftliche Konflikte zu ignorieren, um den »Zusammenhalt« nicht zu gefährden, hilft in einer Demokratie nicht weiter.

Christian Stöcker  – Jahrgang 1973, ist Kognitions­psychologe und seit Herbst 2016 Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Dort verantwortet er den Studiengang »Digitale Kommunikation«. Vorher leitete er das Ressort Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE.

Stöcker, Christian:  Das Experiment sind wir: Unsere Welt verändert sich so atemberaubend schnell, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken. Verlag: Karl Blessing Verlag –  Seitenzahl: 384 – 22,00 €.

SWR-Leute: Wolfgang Heim spricht mit dem Mediziner und Wissenschaftsjournalisten Dr. Werner Bartens

Quelle: SWR-Leute vom 25.11.2021

Er ist Arzt und promovierte über den Einfluss der Gene auf Herzinfarkte. Er ist Germanist und Historiker. Und er arbeitet seit vielen Jahren als leitender Redakteur im Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung.

Werner Bartens hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. „Das Ärztehasser-Buch“ und „Das Lexikon der Medizin-Irrtümer“ etwa wurden Bestseller. In seinem neuen Buch „Ist das Medizin – oder kann das weg?“ beschreibt er, welche Therapien helfen und welche nicht.

Sendung vom 25.11.2021

Rückkehr nach Reims – Film zum Buch von Didier Eribon

Quelle: ARTE Mediathek

Rückkehr nach Reims – Film zum Buch von Didier Eribon

Mit „Rückkehr nach Reims“ sorgte der französische Soziologe Didier Eribon international für Aufsehen. In dem Buch reflektiert der selbst aus dem armen Arbeitermilieu stammende Eribon über Themen wie Homophobie, Rassismus, sowie den Wandel der französischen Arbeiterschaft von den 50er Jahren bis heute. Der Dokumentarfilm vertieft Eribons Analyse.

Nach dem Tod seines Vaters reist Didier Eribon zum ersten Mal nach Jahrzehnten der Entfremdung von Familie und Herkunft wieder in seine Heimatstadt Reims zu seiner Mutter. Gemeinsam mit ihr sieht er sich Familienfotos an und hört ihren Erzählungen zu – diese Reise zurück in die Vergangenheit ist Ausgangspunkt des in Ich-Perspektive erzählten Buchs, in dem Eribon seine persönliche Geschichte mit soziologischer Reflexion verknüpft. Die Familiengeschichte, die bis zu seiner Großmutter mütterlicherseits zurückreicht, spiegelt unter anderem die Geschichte der Arbeiterschaft ab den 50er Jahren wider, auf die sich Regisseur Jean-Gabriel Périot in seinem Film konzentriert.
Die filmische Erzählung entsteht aus dem Zusammenspiel einer zusammengestellten Chronologie von Ereignissen bis heute, zeitgeschichtlicher Archivaufnahmen unterschiedlichster Art, Fotos sowie Filmausschnitten. „Rückkehr nach Reims“ verquickt kollektive und individuelle Geschichten, Realität und Fiktion. Ist die soziale Ungleichheit, die im Buch als „nackte, ausbeuterische Gewalt“ bezeichnet wird, Ursprung für die teils rassistische Weltanschauung der Arbeiterschaft? Liegt in der Abwertung der Anderen die Aufwertung des Selbstbilds? Welche Zusammenhänge können zwischen der Herkunft der Arbeiterfamilien und der häufigen Hinwendung zu einer rechtsextremen politischen Anschauung gesehen werden? Und warum wird sich ungern zu der Wahl des Rassemblement National bekannt? Der Film begibt sich auf die Suche nach Antworten.

Regie: Jean-Gabriel Périot – Land: Frankreich – Jahr: 2020

Dauer: 83 Min. Verfügbar: Vom 16/11/2021 bis 28/05/2022 – Genre: Dokus und Reportagen

Nächste Ausstrahlung am: Montag, 13. Dezember um 01:10

Impfpflicht: Wer einen Freedom Day will, braucht die Impfpflicht

Quelle: ZEIT online

Kommentar von Alan Posener – November 2021

Impfpflicht: Wer einen Freedom Day will, braucht die Impfpflicht

Die Freiheit der Vielen muss beschnitten werden, weil sich wenige verweigern: Liberal ist das nicht. Warum gerade Freiheitsliebende für die Impfpflicht eintreten müssten.

Ich sag’s ungern: Ich bin für eine Covid-Impfpflicht. Ungern deshalb, weil ich ein Liberaler bin. Dieselbe Haltung, die mich für ein Recht auf Rausch eintreten lässt, so schädlich Alkohol, Nikotin und andere Drogen gesundheitlich und volkswirtschaftlich sein mögen, lässt mich vor der staatlichen Verordnung eines medizinischen Eingriffs zurückschrecken. Denn die Impfung – nicht der Piks, sondern das, was danach im Körper geschieht, ist natürlich ein medizinischer Eingriff.

Gerade aus meinem Liberalismus heraus sehe ich jedoch inzwischen nicht ein, dass eine Minderheit von etwa 25 Prozent der Erwachsenen die Mehrheit – und den Staat – zwingen darf, weiterhin Maßnahmen zu ergreifen, die bei einer weithin erreichten Herdenimmunität nicht nötig wären.

Maßnahmen übrigens, wie die Maskenpflicht, gegen die jene 25 Prozent dann am lautesten schreien und die sie oft genug – ich bin Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel – demonstrativ nicht einhalten, wohl in der Hoffnung, irgendjemand werde sie zur Rede stellen und ihnen Gelegenheit geben, wieder einmal von Apartheid und Faschismus, Oberlehrern und Blockwarten und so weiter zu schwadronieren und sich als Opfer zu fühlen.

Zur Impfpflicht genudget

Es ist die Rücksicht auf die Ungeimpften, die den Staat zu Maßnahmen wie Schulschließungen bewegt, die gerade Kindern aus bildungsfernen Familien das Grundversprechen einer liberalen Gesellschaft – Aufstieg durch Bildung – verweigern. Zu Maßnahmen wie dem Verbot von Feiern in Parks und dergleichen, die jungen Leuten ihre Jugend rauben; oder vom Böllern zu Silvester, die arg nach Moralinsäure riechen.

Im Dezember 2020 schrieb ich allerdings hier auf ZEIT ONLINE, eine allgemeine Impfpflicht wäre „nur mit drastischen Zwangsmaßnahmen durchzusetzen und möglicherweise von dem medizinischen Personal gar nicht zu bewältigen, von der zu erwartenden Flut gerichtlicher Klagen abgesehen“. Deshalb forderte ich damals – in Deutschland war noch niemand geimpft worden – das, was wir heute die 2G-Regelung nennen: „Die Pflicht, zumindest bei nicht notwendigen Aktivitäten den Nachweis einer Impfung vorzulegen, und die Pflicht der Veranstalter, diesen Nachweis zu verlangen.“

Jedoch ging ich erstens damals davon aus, die Impfung würde schnell in Gang kommen. Es kam bekanntlich anders und daran waren nicht die Querdenker schuld, sondern EU-Bürokratinnen und Lieferengpässe. Ärgerlich genug.

Inzwischen gibt es aber mehr als genug Impfstoff. „Wenn die Hersteller die Produktion nicht zurückfahren, dürfte es ein Überangebot in der zweiten Jahreshälfte 2022 geben“, schreibt der Economist. Das Problem ist also nicht mehr die Produktion, sondern – in Teilen der ärmeren Welt – die Verteilung und vor allem in der reicheren Welt der Widerstand.

Die höchste Ungeimpftenquote westeuropäischer Länder

Und hier bilden – jedenfalls in Westeuropa – die deutschsprechenden Länder eine Art gallisches Dorf der Unbelehrbaren. (Übrigens ging es den Galliern unter römischem Protektorat so gut wie nie zuvor in ihrer Geschichte und erheblich besser als den östlichen Barbaren. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die antizivilisatorische Botschaft von Asterix und Obelix in Deutschland besonders gut ankam.) Die Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz haben die höchste Ungeimpftenquote aller westeuropäischen Länder. In Sachsen sind gerade mal 57,5 Prozent vollständig geimpft. Dort ist auch die Infektionsrate am höchsten, aber der offenkundige Zusammenhang zwischen Nichtimpfung und Krankheit ändert nichts an der Einstellung. Laut Forsa wollen sich 65 Prozent der Ungeimpften „auf keinen Fall“ in den nächsten Monaten impfen lassen, 23 Prozent „eher nicht“: 88 Prozent Erfahrungsresistente.

Mit einem Widerstand dieser Größenordnung hatte ich nicht gerechnet. Den Unwillen gegen Kontaktverbote, Schulschließungen, Masken und dergleichen konnte ich halbwegs nachvollziehen, aber Impfung war doch die Lösung.

Mit Fakten allein hat es nicht geklappt

Nun bin ich kein Anhänger der Maxime: „Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Und selbst wenn ich es wäre: Die Ungeimpften fühlen ja die Folgen ihrer Verweigerung. Ein Großteil der Patientinnen auf den Intensivstationen und der Todesopfer sind Ungeimpfte. Man könnte also sagen: Bitte sehr, jede hat das Recht, sich selbst zu gefährden.

Gewiss, sagt man, aber niemand hat das Recht, andere zu gefährden. Das stimmt, aber wenn etwa bei einer 3G-Veranstaltung ungetestete Geimpfte und getestete Ungeimpfte zusammenkommen, sind die Ungeimpften die Gefährdeten. Geimpfte können symptomfrei Viren übertragen; sie können zwar auch erkranken, in der Regel aber ist der Krankheitsverlauf nicht so schwer. Die Ungeimpften werden krank, müssen ins Krankenhaus, müssen intubiert werden, belegen Intensivbetten, die für andere Patientinnen fehlen.

Operationen werden verschoben. Das Personal arbeitet am Limit. Wer weiß, wie viele Leben das kostet, wie viel Leiden dadurch verursacht werden? Von den zusätzlichen Kosten und der Überarbeitung des Personals ganz zu schweigen.

Die Argumente sind aber auch alle bekannt und sie scheinen keinerlei Einfluss auf die Impfgegnerinnen zu haben. Zu meinem Erstaunen gehören dazu auch Freunde und Verwandte: der Softwareentwickler in Kreuzberg, die Lehrerin in Reinickendorf, der Drummer in Steglitz, großstädtisch-aufgeklärte Menschen, die scheinbar aus dem Nichts heraus ein grundlegendes Misstrauen gegen den Staat, die Pharmaindustrie, die Wissenschaft und die evidenzbasierte Medizin entwickeln. Das ist nicht liberal. Liberale wollen zwar möglichst wenig Staat. Aber nur wenn und weil die Individuen und die Zivilgesellschaft es besser machen können. Das hat nicht geklappt.

Der Staat muss eingreifen

Was soll etwa eine Restaurantbesitzerin machen, wenn ihr Koch die Impfung verweigert? Entlassen? So schnell ist kein Ersatz zu finden. Die Gesetzeslage gibt es ja auch nicht her. Erkrankt aber der Koch, ist der Betrieb auch im Eimer. Was soll ein Gastwirt machen, dessen Klientel zu großen Teilen aus Impfverweigerern besteht? Sie verärgern und sich selbst die Geschäftsgrundlage entziehen? Die Beispiele lassen sich beliebig vermehren. Hier muss der Staat eingreifen.

Das Problem ist: Jede halbherzige Maßnahme, die der Staat im Sinne des Nudging ergreift, begreifen die Impfverweigerer – zu Recht – als Versuch, einen Impfzwang durch die Hintertür einzuführen. Darüber empören sie sich – aus ihrer Sicht – zu Recht genauso wie über einen direkten Impfzwang. Und da die Maßnahmen tropfenweise kommen, gibt es immer wieder Gründe zur Empörung.

Hinzu kommt, dass der Staat die Verantwortung für die Durchsetzung der Maßnahmen auf so viele Schultern verteilt, von Busfahrern bis hin zu Kinokartenabreißern und Kellnerinnen, dass sie vielfach missachtet werden. Um ihre Einhaltung zu überprüfen, wäre ein Heer von Ordnungswächtern nötig, was die Mär vom „faschistischen Apartheidstaat“ oder von der finalen Durchsetzung der „Biomacht“ im Sinne Michel Foucaults aufseiten der Impfverweigerer täglich nährt, während auf der anderen Seite die ständige, ungeahndete, nicht wirksam zu ahnende Durchbrechung der Regeln auch bei den Geimpften Staatsverdrossenheit erzeugt, auch zu Recht.

Impfzwang jetzt, dafür dann ein Freedom Day

Das Infektionsschutzgesetz erlaubt ja eine Impfpflicht: „Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist.“ So steht es in Paragraf 20 Abschnitt 6, und „bedroht“ ist auslegbar. Hätte die Regierung davon Gebrauch gemacht, hätte es wohl verbreitetes Murren gegeben, hier und dort auch hartnäckigen Widerstand.

Aber die meisten hätten sich gefügt, dem Widerstand hätten sich nicht so zahlreiche Gelegenheiten geboten wie jetzt, wir hätten eine Impfquote von 90 Prozent und hätten längst unseren Freedom Day ausrufen können.

Beim Regierungsantritt muss ein Fürst nötige Grausamkeiten schnell begehen, wusste schon Niccolò Machiavelli. Die neue Ampel-Regierung sollte mit der Impfpflicht beginnen. Zumal es geradezu leichtsinnig wäre anzunehmen, Covid-19 sei die letzte Pandemie, die unsere Welt heimsucht. Wir wissen jetzt, wie wir Impfstoffe schnell entwickeln. Wir brauchen die Handhabe, sie schnell in die Arme zu bekommen. Im Interesse der Freiheit, richtig sinnlose Dinge zu tun. Im Interesse des Spaßes.

Homöopathie und Pandemie: Nein zum Impfen aus Liebe zur Natur

Quelle: RND – Redaktionsnetzwerk Deutschland

Matthias Koch – 23.11.2021

Homöopathie und Pandemie: Nein zum Impfen aus Liebe zur Natur.

Irgend­wann hat Anton Hötzels­perger es aufge­geben. Eine Zeit lang hat er noch versucht, unge­impfte Bekannte und Freunde zum Impfen zu über­reden. Doch es hat einfach nie geklappt, in keinem einzigen Fall.

Zumin­dest weiß er inzwischen: Es liegt nicht an ihm. Es liegt an der Dick­schädelig­keit der Impf­­gegner und Impf­gegne­rinnen um ihn herum. Hötzels­perger lebt im Land­kreis Rosen­heim. Die Region, eine Auto­stunde südöst­lich von München, hat eine Inzi­denz von 979 und eine der niedrigsten Impf­quoten der Republik. Mitte November meldete das Gesund­heits­amt 57,7 Prozent voll­ständig Geimpfte – und fügte alar­miert hinzu: „Die wöchent­lichen Zuwächse bewegen sich nur im Zehntel­prozent­bereich.“ Was ist da los? Hötzels­perger seufzt. Es sei kompli­ziert. „Das Beste ist“, sagt er düster, „man klam­mert das Thema im Alltag aus.“

„Die Impfgegner sind ganz normale Leute“

Der „Toni“ kennt die Leute im Land­kreis, er ist hier vernetzt wie wenige. Laptop und Leder­hose: Hötzels­perger lebt das baye­rische PR-Motto wört­lich vor. Er ist Gründer der „Samer­berger Nach­richten“, eines kleinen, vitalen Nachrichtenportals, und er ist Mitglied im regio­nalen Trachten­verein. In der Tracht durfte er mal Barack Obama die Hand schüt­teln, im Jahr 2015, vor dem G7-Treffen auf Schloss Elmau. „Die Impf­gegner hier bei uns“, sagt Hötzels­perger, „sind ganz normale Leute, tüchtig, erfolg­reich, vernünftig.“ Seine Frau Rosi gibt ihm recht: „Das ist hier nichts Politi­sches.“

Beide berichten von Spritzen­­verwei­gerern, mit denen man sich wunder­bar eine Stunde lang unter­halten könne, ohne dass sie irgend­etwas Seltsames sagen. „Doch wenn die Rede aufs Impfen kommt, setzt es plötz­lich aus.“ Dann höre man auf einmal Hass­tiraden auf „die da oben“. Oft fielen die Namen Angela Merkel und Markus Söder „und manch­mal auch Bill Gates“. In der maleri­schen Land­schaft zwischen Inn und Chiem­see tun sich hinter hübsch getünchten Fassaden Abgründe auf. Da gibt es den Gast­wirt, der nach außen hin die 2G-Regel durch­setzt – und sich selbst nicht impfen lassen will. Da gibt es Pfarr­gemeinde­rats­mitglieder, die viel soziales Engage­ment zeigen – und gleich­zeitig Nein sagen zum Impfen. Und da gibt es die resolute Bäuerin, Anfang fünfzig, die stolz verkündet, sie setze gerade in diesen schwie­rigen Zeiten auf Homö­opathie. Die Pharma­industrie jeden­falls werde ihr „nichts in den Körper spritzen“, das erspare sie auf ihrem Öko­hof ja auch ihren Tieren.

Schon mit Masern gab es in Bayern Probleme

Wolf­gang Hierl, Chef des Gesund­heitsamts in Rosen­heim, kennt seine Pappen­­heimer. Schon vor fünf Jahren gab es ähnliche Probleme. Da lehnten in seiner Region mehr Eltern als irgendwo sonst in Bayern es ab, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen

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Heute wie damals argumen­tierte Hierl hände­ringend, es gehe um einen hoch­anste­ckenden Erreger, der im Fall schwerer Verläufe blei­bende Schäden im Orga­nismus anrichte. Heute wie damals aller­dings zeigten sich viele Rosen­heimer von den amtli­chen Warnungen völlig unbeein­druckt.

Nein zum Impfen aus Liebe zur Natur: Manches klingt da nach grün-alterna­tivem Gedanken­gut, anderes auch nach Volks­gesund­heits­theo­rien wie zu Zeiten der Nazis. Wer gesund lebe und seine Wider­stands­kraft stähle, habe eigent­lich nichts zu fürchten – so sahen es schon die Begründer von Homö­opathie und Anthro­poso­phie, Samuel Hahne­mann (1755–1843) und Rudolf Steiner (1861–1925). In Steiners Welt ist Krank­heit nichts, was unbe­dingt vermieden werden muss, der Krank­heit wird sogar ein erziehe­rischer Sinn zuge­messen. „Wollen wir die Stärke, die Gesund­heit, dann müssen wir ihre Vorbedin­gung, die Krank­heit, mit in Kauf nehmen“, lehrte Steiner.

Nirgendwo fand diese Einstel­lung eine so weite Verbrei­tung wie in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz. Heute sind diese drei Hoch­burgen der Homö­opathie die drei Länder mit den höchsten Anteilen an Unge­impften in West­europa.

Bayern spendiert 800.000 Euro für Homöopathieforschung

Inner­halb Deutsch­lands genießt die Homö­opathie vor allem in Bayern und Baden-Württem­berg Ansehen. Der baye­rische Land­tag geneh­migte noch Ende 2019, kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie, eine 800.000 Euro teure Studie zu der Frage, „ob durch homö­opathi­sche Mittel der Einsatz von Anti­biotika redu­ziert werden kann“. Nach hitziger Debatte gab es aus drei Frak­tionen genü­gend Ja-Stimmen: CSU, Freie Wähler und Grüne. SPD und FDP schüttelten sich. Die sozial­demo­kratische Gesund­heits­expertin Ruth Wald­mann sprach von „Unfug“, der finanz­poli­tische Sprecher der FDP-Land­tags­fraktion, Helmut Kalten­hauser, von unfass­barer Geld­verschwen­dung: „Wenn das so weiter­geht, schmeißt die Staats­regie­rung noch eine Million Euro für eine Studie aus dem Fenster, die eruieren soll, ob Exor­zisten wirklich den Teufel austreiben können.“ Die Abge­ordnete Susann Enders von den Freien Wählern indessen konterte, SPD und FDP sollten aufhören, auf die Homö­opathie ein­zu­prü­geln: „Wer heilt, hat recht, ob es Ihnen passt oder nicht.“

Wissen­schaft­lich konnten posi­tive Wirkungen der Homö­opathie über Placebo­effekte hinaus welt­weit nie nach­gewiesen werden. Spürbar sind indessen neuer­dings die nega­tiven Wirkungen der Homö­opathie auf die laufenden Impf­kampagnen. Profes­sorin Sonja Haug konnte in einer Studie des Regens­burg Center of Health Sciences and Tech­nology mittlerweile eine Korrela­tion nach­weisen. Ob Homö­opathie, Bach­blüten oder traditio­nelle chine­sische Medizin: Befragte, die viel von alter­nativen Heil­verfahren halten, haben zugleich eine deut­lich niedri­gere Impf­bereit­schaft erkennen lassen als jene, die noch nie von Kügel­chen über­zeugt waren.

Heilung mit dem Gift der Buschmeisterschlange?

Werden jetzt die Homö­opathen zu neuen Sünden­böcken der Corona-Debatten? Wissen­schaftler warnen vor Verein­fachungen. „Die aktuelle Strö­mung gegen das Impfen speist sich aus mehreren Quellen gleich­zeitig“, sagt Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Univer­sität Tübingen. Liberale Impf­verwei­gerer in der Groß­stadt wollten ihre indivi­duelle Selbst­bestim­mung beweisen. Nein­sager in der Provinz schraubten sich hinein in den Glauben, ihre Region sei eine eigene, bessere Welt; ein Beispiel sei das Schweizer Alp­thal, wo Corona-Rebellen jüngst einen Impf­bus blo­ckier­ten. Der wohl mäch­tigste und alles über­spannende Faktor aber sei eine „Heilig­spre­chung der Natur“.

Die Szene der Homö­opathen hat keine einheit­liche Linie. Die einen raten zur Impfung, ein harter Kern aber beharrt auf sehr eigenen Wegen. Jens Wurster zum Beispiel, umstrit­tener Heiler mit Praxis in der Schweiz, propagiert in der „Allge­meinen Homö­opathi­schen Zeitung“ allen Ernstes eine Über­legen­heit der Alternativ­medizin auch bei Corona: „Von meinen Patienten konnte ich 80 Prozent erfolg­reich mit Bryonia behan­­deln. Schwere Fälle habe ich mit Lachesis, Arse­nicum album oder Carbo vegeta­bilis thera­piert.“ Das alles klingt wissen­schaft­licher, als es ist. Bryonia zum Beispiel ist die Weiße Zaun­rübe, Lachesis das Gift der Busch­meister­schlange. Wie, bitte, hilft das gegen Corona?

„Einstieg in den Ausstieg aus wissenschaftlichem Denken“

Natalie Grams-Nobmann, Medizi­nerin und Autorin aus Heidelberg, hält dies alles für Humbug. Die 43-Jährige war zu Beginn ihrer Berufs­lauf­bahn selbst jahre­lang homö­opathisch tätig, gab dies aber auf – aus Mangel an Beweisen für die Wirkung der Kügel­chen und Essenzen. In Büchern, Blogs und Podcasts fordert Grams-Nobmann eine stär­kere Patienten­orien­tierung der klassi­schen Medizin, entlarvt aber gleich­zeitig die Homö­opathie als „Einstieg in den Ausstieg aus wissen­schaft­lichem Denken“. Natür­lich liege es in der Frei­heit von Patienten und Thera­peuten, auch irrealen Vorstel­lungen nach­zu­gehen. Doch das sei nur dann zu akzep­tieren, wenn dies nach­weis­lich niemandem schade. In der aktu­ellen Impf­debatte aber zeige sich, wie sehr mittler­weile ein Hang allzu vieler Menschen zum Unbewie­senen die Pandemie­bekämp­fung insge­samt objektiv bremse. „Wir haben schon viel zu lange die heillos gewach­sene systema­tische Wissen­schafts­leug­nung im deut­schen Gesund­heits­wesen tole­riert“, sagt Grams-Nobmann dem Redak­tions­Netz­werk Deutsch­land. „In diesen Tagen bezahlen wir dafür einen hohen Preis.“

Weltweites Kopfschütteln mit Blick auf Deutschland

Während Deutsch­lands Inzi­denzen steigen, sinkt zugleich das Ansehen des Landes in aller Welt. Die „New York Times“ beschrieb ihren Lesern und Leserinnen dieser Tage einen deut­schen „Kultur­kampf“ ums Impfen, dessen Folgen sogar noch in Italien messbar seien: mit unter­durch­schnitt­lichen Impf­quoten in den deutsch­sprachigen Zonen um Bozen. Das US-Nach­richten­portal Bloom­berg Business fragte un­gläu­big bei Grams-Nobmann nach: „Homö­opathie funk­tioniert nicht. Warum glauben so viele Deutsche daran?“

Tweet https://twitter.com/niklas_franzen/status/1461401520675737608 von Niklas Franzen

Erstaunen herrscht auch in Brasilien, wo einst das Virus beson­ders wütete. Inzwi­schen müssen Kliniken etwa in São Paulo über­haupt keine Corona-Kranken mehr aufnehmen, die Regional­regie­rung hat die Impf­quote auf 98,7 Prozent getrieben. In einem Tweet berichtet „taz“-Korres­pondent Niklas Franzen von einer Szene, die die völlige Verkeh­rung der Verhält­nisse fest­hält. Eine kleine Bar in São Paulo. Am Tresen sitzen zwei Männer und trinken Bier. Im Fern­sehen läuft ein Bericht über die drama­tische Corona-Lage in Deutsch­land. Einer der Männer fragt ungläubig: „In Deutsch­land, echt?“ Der andere antwortet: „Ja, diese Irren la

Der Philosophische Stammtisch: Soll man Sex kaufen dürfen? | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur

Der Philosophische Stammtisch: Soll man Sex kaufen dürfen? | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur – 234.495 Aufrufe – 05.11.2018 –

Am Philosophischen Stammtisch diskutiert Barbara Bleisch

  • mit Salomé Balthus, Philosophin und Prostituierte,
  • Sandra Konrad, Psychologin und Autorin von «Das beherrschte Geschlecht»,
  • Peter Schaber, Professor für Philosophie am Ethikzentrum der Universität Zürich und
  • Dominique Kuenzle, Privatdozent für Philosophie an der Universität Zürich und Feminist.

«Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt», wird oft gesagt. Das rechtfertigt Prostitution aber nicht, sagen Länder wie Schweden und Frankreich. Sie verbieten den Kauf sexueller Dienstleistungen und definieren Prostitution als Gewalt gegen Frauen. Was sagt die Philosophie dazu? Sternstunde Philosophie vom 4.11.2018


Sexualität: Gottes unheiliges Geschenk | Sternstunde Religion | SRF Kultur –92.800 Aufrufe – 19.11.2018 –

Amira Hafner-Al Jabaji diskutiert in der SRF Sternstunde Religion mit Barbara Miller, Regisseurin des Filmes «#Female Pleasure», Religionswissenschaftlerin Anna-Katharina Höpflinger und Philosophin Doris Wagner über den weiblichen Körper als Schlachtfeld der Religionen. Das Verhältnis von Religion und weiblicher Sexualität ist ambivalent, teilweise zerstörerisch.

Das zeigt der Film «#Female Pleasure», der zur Zeit in den Schweizer Kinos läuft. Was steckt hinter der Obsession, den weiblichen Körper zu beherrschen? Und gibt es auch lustfreundliche Religion? Geht es um den weiblichen Körper und Sexualität, haben alle Religionen ihre Probleme damit. Die Traditionen reichen von Absonderung, Unterdrückung, sozialer Kontrolle bis hin zu Vergewaltigung und Genitalverstümmelung. Die Lustfeindlichkeit ist in den Religionen tief verankert. Gleichzeitig postulieren geistliche Autoritäten Sexualität als Geschenk Gottes oder als Weg zur spirituellen Erleuchtung.

Doris Wagner war neunzehn als sie sich entschloss, Nonne zu werden. Die Hoffnung auf ein erfülltes Leben in der frommen Gemeinschaft stellte sich bald als Illusion heraus. Über Jahre wurde Wagner von einem Priester sexuell missbraucht.

Sie ist eine der Frauen, die im Film «#Female Pleasure» über ihren Kampf für sexuelle Selbstbestimmung sprechen.


#FEMALE PLEASURE | Wer hat Angst vor weiblicher Lust? –31.055 Aufrufe – 08.11.2018

 Fünf mutige, kluge und selbstbestimmte Frauen stehen im Zentrum von Barbara Millers Dokumentarfilm #FEMALE PLEASURE. Sie brechen das Tabu des Schweigens und der Scham, das ihnen die Gesellschaft oder ihre religiösen Gemeinschaften mit ihren archaisch-patriarchalen Strukturen auferlegen.

Mit einer unfassbar positiven Energie und aller Kraft setzen sich Deborah Feldman, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner und Vithika Yadav für sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung aller Frauen ein, hinweg über jedwede gesellschaftliche sowie religiöse Normen und Schranken. Dafür zahlen sie einen hohen Preis – sie werden öffentlich diffamiert, verfolgt und bedroht, von ihrem ehemaligen Umfeld werden sie verstoßen und von Religionsführern und fanatischen Gläubigen sogar mit dem Tod bedroht.

#FEMALE PLEASURE ist ein Film, der schildert, wie universell und alle kulturellen und religiösen Grenzen überschreitend die Mechanismen sind, die die Situation der Frau – egal in welcher Gesellschaftsform – bis heute bestimmen. Gleichzeitig zeigen uns die fünf Protagonistinnen, wie man mit Mut, Kraft und Lebensfreude jede Struktur verändern kann.