Gespräch Forum 2030 – Katholische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim (geschlossene Veranstaltung)

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Datum/Zeit
Date(s) - 15/05/2019
19:30 - 21:00

Veranstaltungsort
Pfarramt St. Ulrich - Sonnenzimmer Haus Cäcillia

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Im Gespräch zwischen Vertreter/innen des Forums 2030 und der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim wird es um die Frage der konkreten Zusammenarbeit bei der Umsetzung der Ziele der Agenda 2030 vor Ort in Kirchheim gehen. Von Seiten des Forums werden am Gespräch teilnehmen: Heinrich Brinker, Hans Dörr, Karl-Heinz Wiest, Hans-Werner Schwarz und Heinz Pötzl.

Im Augenblick ist hat die neue Jugendbewegung „Fridays for future“ das Thema „Klimawandel“ sehr deutlich auf die umweltpolitische Agenda gesetzt. Seit Wochen gehen Schüler an Freitagen für den Klimaschutz auf die Straße.

Lobende Worte für das Engagement junger Menschen fand „Umweltbischof“ Rolf Lohmann am 14.2.19. Der Münsteraner Bischof begrüßt das Engagement von Schüler/innen für den Klimaschutz unter dem Motto „Fridays for future“.

Die politische Diskussion über die Frage, ob die Aktionen unter dem Motto „Fridays for future“ (Freitage für die Zukunft) Schwänzen oder Streiken seien, werde dem Anliegen der Jugendlichen laut Lohmann nicht gerecht. Sicherlich ersetze eine Demonstration für den Klimaschutz nicht den Unterricht zur Energiepolitik. „Andererseits wünschen wir uns aber eine junge Generation, die sich kritisch mit ihrer Umwelt auseinandersetzt, die rechtspopulistischen Strömungen widerspricht und eindeutig Position bezieht.“

(s. https://www.domradio.de/themen/sch%C3%B6pfung/2019-02-14/katholischer-daumen-geht-hoch-umweltbischof-lohmann-begruesst-schueleraktion-fridays-future )

Auch die katholische Kirche insgesamt dringt auf einen ehrgeizigeren Einsatz der Politik gegen den Klimawandel.

Unter dem Titel „Ökonomie des Lebens, Gerechtigkeit und Frieden für alle“ verabschiedete die Zehnten Vollversammlung des Ökumenischen Rates im Jahr 2013 einen Aufruf zum Handeln, der das Ergebnis eines sechsjährigen Konsultations- und regionalen Studienprozesses war. Der Aufruf verband die Themen Armut, Reichtum und Umwelt miteinander.

Zum Klimawandel formuliert der ÖRK in Punkt 11:

„11. Der Klimawandel und die Bedrohungen für die Integrität der Schöpfung sind zur großen Herausforderung der vielschichtigen Krisen geworden, mit denen wir konfrontiert sind. Der Klimawandel wirkt sich direkt auf die Lebensumstände der Menschen aus, gefährdet kleine Inselstaaten in ihrer Existenz, reduziert die Verfügbarkeit von Frischwasser und vermindert die Biodiversität der Erde. Er hat weitreichende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelsicherheit, die Gesundheit der Menschen und die Lebensgewohnheiten eines immer größeren Teils der Bevölkerung. Durch den Klimawandel kann sich das Leben in seinen vielen Formen, wie wir es kennen, im Laufe von wenigen Jahrzehnten unwiderruflich verändern. Der Klimawandel führt zur Vertreibung der Menschen, zu einer zunehmenden, vom Klima erzwungenen Migration und zu bewaffneten Konflikten. Noch nie dagewesene Herausforderungen des Klimawandels gehen Hand in Hand mit der unkontrollierten Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und führen zur Zerstörung der Erde und zu einer substanziellen Veränderung des Habitats. Klimaerwärmung und Umweltzerstörung werden immer mehr zu einer Frage von Leben und Tod.

Die römisch-katholische Kirche gehört dem ÖRK zwar nicht an. Der ÖRK-Aufruf weist aber viele Parallelen zu dem auf, was Papst Franziskus in seiner Programmschrift ‚Evangelii Gaudium‘ und in seiner Enzyklika ‚Laudato si‘ erklärt hatte.

Am 9.Juni 2018 berichtet Stefan von Kempis in den VaticanNews über ein Treffen von Papst Franziskus mit Spitzenmanager von vierzig Großunternehmen. Der Papst hatte in seiner Programmschrift ‚Evangelii Gaudium‘ erklärt: „Diese Wirtschaft tötet.“

Er ermahnte die Manager bei der Audienz u.a. zu stärkeren Anstrengungen in der Klimapolitik:

In der Enzyklika ‚Laudato si‘ habe ich an alle Menschen guten Willens appelliert, sich um die Pflege des gemeinsamen Hauses zu kümmern und eine Energiewende herbeizuführen, um verheerende Änderungen im Klima abzuwenden, die das Wohlergehen und die Zukunft der Menschheitsfamilie und ihres gemeinsamen Hauses in Gefahr bringen könnten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, mit ernsthaftem Einsatz eine Wende einzuleiten, die wachsenden Energieverbrauch mit geringer Umweltverschmutzung koppelt. Das ist eine epochale Herausforderung – aber auch eine große Gelegenheit…
https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-06/papst-franziskus-energie-wende-audienz-wirtschaft-invest-finanz.html

Der Klimaschutz ist aber nur eine von vielen sehr dringenden Aufgaben, die in der UN-Agenda 2030 formuliert sind und zu denen sich die auch die katholische Kirche positioniert.

Bereits im Jahr 2016 hatte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ein Impulspapier zur Rolle Deutschlands bei der Umsetzung der globalen Agenda 2030 beschlossen .

Zur eigenen Rolle formuliert das Papier auf Seite 4:

Als katholische Kirche in Deutschland wollen wir als glaubwürdiger Anwalt und Akteur für eine nachhaltige Entwicklung vorbildlich vorangehen … Zudem sind wir gefordert, durch Aktionen, Kampagnen und Projekte die globale Agenda 2030 aufzugreifen und weiterhin die Bewusstseinsbildung für nachhaltige Entwicklung in unseren Verbänden, Organisationen und Gemeinden voranzubringen. … Auf politischer Ebene müssen wir uns als katholische Kirche für die Veränderung struktureller Rahmenbedingungen im Sinne der globalen Agenda 2030 einsetzen, damit Nachhaltigkeit im politischen Alltag zum Maßstab des Handelns wird. Auch politisch beginnt nachhaltiges Handeln in der kleinsten Einheit. So tragen bereits Nachhaltigkeitsstrategien auf kommunaler Ebene zum Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele bei. So wollen wir uns als Christinnen und Christen mit unseren Kirchengemeinden und kirchlichen Gruppen vor Ort aktiv in die Nachhaltigkeitsarbeit unserer Kommunen einbringen und die Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie auf kommunaler Ebene konstruktiv begleiten.“

Anliegen 1: Wir wollen als Forum 2030 mit der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim in einen Dialog eintreten. Grundlage sind  mehrere Papiere.

Das Kirchheimer Forum 2030 versteht seine Aufgabe ähnlich, wie die Rolle der Katholischen Kirche  in den Papieren formuliert ist. Wir sind als Netzwerk der Auffassung, dass wir – wenn ein Basiskonsens vorhanden ist – durch Kooperation unsere Wirkungsmöglichkeiten verstärken.

Anliegen 2: Die Agenda 2030 bezeichnet in Ziel 1 Armut und in Ziel 10 soziale Ungleichheit als die größten Herausforderungen der Gegenwart. Die Agenda spricht nicht nur von Armut und sozialer Ungleichheit zwischen Staaten (z.B. des globalen Nordens und des globalen Südens), sondern auch innerhalb von Staaten – auch innerhalb der Staaten des „reichen“ Nordens, auch innerhalb der Bundesrepublik.