Hanau-Gedenken: Kirche und Demokratie-Bündnis planen Aktion

Hanau-Gedenken: Kirche und Demokratie-Bündnis planen Aktion

Kassel/Hanau (dpa/lhe) – Im Kampf gegen Hass und Hetze schließt sich die Evangelische Landeskirche (EKKW) der Initiative «Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung» an.

Man plane nun gemeinsam eine Aktion zum Jahrestag des Anschlags von Hanau am 19. Februar, teilten Kirche und Bündnis am Montag in Kassel mit. Die Landeskirche verstärke als erste religiöse Institution die bisher vor allem nordhessische Kooperation von rund 30 Unternehmen, kommunalen Institutionen und Vereinen.

«Offen für Vielfalt» wurde überregional durch das öffentliche Engagement nach dem Mord an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) bekannt. Die Initiative setzt sich für Demokratie und Vielfalt in ihren unterschiedlichen Dimensionen ein.

«Der furchtbare Anschlag im Februar 2020 in Hanau und natürlich auch der Mord an Walter Lübcke haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten und gegen Rassismus aufzustehen», sagte Beate Hofmann, Bischöfin der EKKW. Ziel sei nun, die Kampagne in Hanau einzuführen. Im Gedenken an die Opfer des Anschlags von Hanau würden spezielle Türschilder an Unternehmen, Privathaushalte, Vereine und öffentliche Einrichtungen in der Stadt verteilt. Die Landeskirche plane, mit großformatigen Bannern an Kirchtürmen auf die Initiative aufmerksam zu machen.

In Hanau hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die rassistisch motivierte Tat löste bundesweit Entsetzen aus.


EKKW-Synode begrüßt Beitritt zur Initiative „Offen für Vielfalt“

Die Synodalen der am Sonntag eröffneten ersten digitalen Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) haben den bereits im Herbst erfolgten Beitritt der Landeskirche zur Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ mit großer Mehrheit begrüßt.
18.01.2021 – Quelle: epd

„Wir wollen dazu beitragen dass sich Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und Einmaligkeit gleichberechtigt begegnen, Vorurteile abbauen und entkräften und Vielfalt als Reichtum erleben können“, heißt es in der Begründung des Beitritts.

Kirchengemeinden sollen ermutigt werden, sich zu positionieren und konkrete Schritte für Vielfalt und gegen Ausgrenzung zu finden und zu gehen.

Alle Kirchengemeinden würden demnächst ein Schild mit dem Schriftzug „Offen für Vielfalt“ auf der Vorderseite und „Geschlossen gegen Ausgrenzung“ auf der Rückseite zum Aufhängen erhalten, kündigte Bischöfin Beate Hofmann an. Auch eine Homepage zum Thema sei auf der landeskirchlichen Internetseite eingerichtet worden.

Die Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ hatte sich 2018 als Reaktion auf rechtsradikale Exzesse in Chemnitz 2018 in Kassel gegründet. Getragen von heimischen Unternehmen, Vereinen und Organisationen hatte sie unter anderem zum Todestag des im Juni 2019 ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2020 die Aktion „Demokratische Werte sind unsterblich“ ins Leben gerufen. Sichtbarstes Zeichen war ein 200 Quadratmeter großes Banner mit dem Motto am Kasseler Regierungspräsidium.

Kasseler Bürger wurden zudem eingeladen, eine ganzseitige Zeitungsanzeige mit dem Motto auszuschneiden und ins Fenster der Wohnung zu hängen. Die Initiative, die auch beim Prozessauftakt gegen Lübckes mutmaßlichen Mörder Stephan E. vor dem Gericht Präsenz zeigte, ist seither ständig gewachsen.